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… hat Angela Merkel nicht gesagt. Der englische Name der russischen Band ist ihr aber problemlos über die Lippen gekommen. Ich frage mich oft, warum die Schamgrenze sich so verschiebt, wenn Namen, Wörter und Sätze in englischen Gewändern daherkommen.

Zum Teil liegt es sicher daran, dass man die Muttersprache ganz unmittelbar versteht und genau weiß, wovon man spricht oder was man hört. Auf deutsche Wörter reagiert man sofort und emotional, weil man sie im Leben gelernt hat und aus ihren jeweiligen Zusammenhängen kennt. Die meisten Leute können in ihrer Muttersprache sehr gut einschätzen, wann ein Wort angemessen ist und wann nicht. Fremdsprachliche Wörter dagegen lernt man als Vokabeln: Als Nicht-Muttersprachler hört man ihnen die Sprachebene nicht an; englische Schimpfwörter klingen folglich weit weniger grob und unverschämt in deutschen als in englischen oder amerikanischen Ohren.

Auf die Frage, wie der Name der Band im angelsächsischen Raum wahrgenommen wird, bin ich in einem Sprachforum auf unterschiedliche Antworten gestoßen. Die meisten Diskutanten waren sich aber darüber einig, dass das Wort “pussy” gemäßigt vulgär und von seiner Verwendung in den meisten Fällen abzuraten ist. Interessant war auch der Verweis auf einen Artikel im Guardian, in dem es um die amerikanische Berichterstattung über die Band und die damit verbundenen sprachlichen Verrenkungen ging. Demzufolge haben u. a. die New York Times, die Washington Post, die Los Angeles Times und die Nachrichtenagentur Reuters den Namen so selten wie möglich und nie in einer Überschrift genannt.

Noch etwas zum Namen und zum damit verbundenen Selbstbild: Wie kann sich eine Band, die sich den Feminismus auf die Fahnen schreibt, nur so nennen? Sie heißen ja nicht nur „Krawall“, sie machen Krawall, und wenn man fragt, wer den Krawall macht, dann bleiben die „Pussies“ übrig. Männer, die so von Frauen sprechen, sehen in Frauen zunächst und vor allem ein Sexualobjekt. Das ist übelstes sexistisches Macho-Gehabe. Wenn Frauen sich selbst so bezeichnen, kann das nicht plötzlich der gelungene Ausdruck einer feministischen Gesinnung sein – man protestiert nicht gegen eine Herabwürdigung, indem man sie sich zu eigen macht. Einem Namen hört man nicht an, wie er gemeint ist.

(NB: Ich beschränke mich in diesem Blog auf Gedanken zum Namen der Band und bitte diejenigen, die diese Gedanken kommentieren möchten, das auch zu tun. Interessante Artikel zur Band selbst, zu ihren Auftritten und zur Solidaritätswelle im Ausland finden sich – in chronologischer Reihenfolge – hier und hier und hier.)

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