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Immer öfter bekomme ich Mails, die mit dem Hinweis enden: „gesendet von meinem iPhone“ oder „gesendet von meinem BlackBerry“. Ob die Absender denken, mich interessiere, was für ein Gerät sie benutzen? Wo inzwischen jeder Zweite so ein Ding hat?

Ich weiß, die Signatur wird vom Mail-Programm standardmäßig verwendet. Sie lässt sich aber löschen oder ändern – z. B. in eine persönliche Signatur. Wem es wichtig ist, dem Empfänger zu zeigen, dass er gerade unterwegs ist (vielleicht weil er sich kurz fassen will), der könnte schreiben: „von unterwegs gesendet“.

Nun diene diese Schlussfloskel nicht nur als Entschuldigung für die Kürze der Nachricht, sondern auch zur Rechtfertigung der vielen Fehler; es heißt, die Tastatur der Smartphones sei nicht sehr schreibfreundlich.

Warum benutzen die Leute sie dann? Zwingt ein Smartphone seinen Besitzer dazu, nicht nur immer, überall und für jeden erreichbar zu sein, sondern auf jede Nachricht sofort zu reagieren? Wer diese Frage mit „Ja“ beantwortet, der kann seinen Diensteifer auch durch korrekte Rechtschreibung und Grammatik zum Ausdruck bringen (wenn der Antworttext ohnehin kurz ist, kann es ja nicht so lange dauern, ihn noch einmal zu lesen und Fehler zu korrigieren). Die anderen warten, bis sie wieder irgendwo ankommen, wo es einen Rechner gibt und sie ausführlich und in Ruhe schreiben können.

In einem sogenannten Knigge für Mails habe ich gelesen: „Von Smartphones versandte 
E-Mails kommen beim Empfänger häufig salopp und unhöflich an.“ Das klingt so, als seien sie im Moment der Abreise noch formvollendet und korrekt gewesen und als habe erst das Gerät die Fehler produziert – als würde „von meinem iPhone gesendet“ bedeuten: „nicht von mir gesendet“.

Über die „Lösung“ des Problems durch ein international tätiges Beratungsunternehmen heißt es (als hätten sie das Ei des Kolumbus gefunden): „In den E-Mails, die die Mitarbeiter von ihren Mobiltelefonen aus verschicken, wird automatisch vermerkt, die Nachricht sei auf einem Smartphone verfasst – und dazu gleich: ‚Bitte entschuldigen Sie Tippfehler.’“

Grübel. Am Smartphone wird der international tätige Berater also wieder zum Kind, dem man nicht übelnehmen darf, dass es noch nicht richtig schreiben kann?

Nochmal grübel. Wenn Fehler bei Smartphone-Nachrichten am Gerät liegen, kann ich also umgekehrt davon ausgehen, dass die Leute, wenn sie an einem normalen Rechner sitzen, fehlerfrei schreiben? Ob das international tätige Unternehmen dafür diese Signatur hat: „Von einem Computer gesendet. Tippfehler gehen allein auf meine Kappe. Bitte nicht entschuldigen.“? Würde mich wundern …

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