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Wieder so ein Werbespruch, bei dem man sich das Gehirn verrenkt auf der Suche nach einer Erklärung. Vielleicht hilft ein bisschen Grammatik.

„Wir sind Familie“ ist ein Kopulasatz, das ist ein Satz, in dem sich das Prädikat (das, was über das Subjekt ausgesagt wird) aus einer Kopula und einem Prädikatsnomen oder einem prädikativ verwendeten Adjektiv zusammensetzt. Das Prädikatsnomen in Kopulasätzen wird auch Gleichsetzungsnominativ genannt, weil damit i.d.R. die Zugehörigkeit zu einer Gruppe angegeben wird. Hier wiederum unterscheidet man zwischen der Variante ohne und mit unbestimmtem Artikel. Während es bei der Variante mit Artikel um die Zuordnung aufgrund bestimmter Eigenschaften geht, die jemand teilt (er ist ein Draufgänger / eine Naschkatze / ein Idiot), bezeichnet die Variante ohne Artikel die Zugehörigkeit zu einer sozial etablierten und anerkannten Gruppe, deren Mitgliedschaft konventionell geregelt ist qua Nationalität, Herkunft, Beruf, Funktion, Weltanschauung, Religion oder gesellschaftlichem Status (er ist Schwede / Zirkusdirektor / Katholik / Junggeselle). Anatol Stefanowitsch hat sich in einem interessanten Artikel zu Kennedys Satz „Ich bin ein Berliner“ ausführlich damit befasst.

Was bedeutet das übertragen auf die Familie? Wenn man vom traditionellen Familienbild ausgeht, dann ist klar, dass es sich um die Zugehörigkeit aufgrund gewisser Eigenschaften handelt – ein Elternpaar mit mindestens einem gemeinsamen Kind kann sagen „Wir sind eine Familie“. Daher wundert es nicht, wenn Patchwork-Familien, SOS-Kinderdörfer und homosexuelle Paare, die diese Eigenschaften nicht oder nur teilweise erfüllen, mit der artikellosen Variante an die Öffentlichkeit gehen. Damit wird die Mitgliedschaft zur Gruppe mit all ihren gesellschaftlichen Vorzügen und Rechten gewissermaßen eingefordert.

Nun lachen uns vom Plakat aber keine Patchwork-Familien und auch keine Schwulenpaare an, sondern die Maus und die Biene Maja.

Maus und  Biene Maja

Haben die Maus und die Biene Maja geheiratet und fordern jetzt die Anerkennung als Familie? Sollen wir sie als Mitglieder unserer jeweiligen Familien aufnehmen? Oder sind jetzt alle Fernsehzuschauer – vereint unter dem Schutzdach von ARD und ZDF – eine große Familie? Zahlen wir den Rundfunkbeitrag lieber, wenn die Öffentlich-Rechtlichen übergriffig werden und so tun, als lebten wir mit ihnen in einer partikularistischen Sozialbeziehung?

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