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In Frankreich – wie in einigen anderen Ländern – werden als Tonnamen bekanntlich Solmisationssilben verwendet: do – re – mi – fa – sol – la – si. Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach heißt auf französisch Messe en si mineur.

Kürzlich habe ich mich mit französischen Musikern unterhalten, die für diese Messe eine neue Bezeichnung gefunden haben: la Schmoll. Ich liebe solche Sprachspiele, und es ist mir ein Vergnügen, diese Bezeichnung hier ein wenig bekannt zu machen. Das gibt mir gleichzeitig Gelegenheit, die sprachlichen und außersprachlichen Verkürzungsprozesse zu erklären, die zu dieser Wortbildung geführt haben.

Franzosen sind ja dafür bekannt, dass sie wenig Respekt vor Fremdsprachen haben. Den musikliebenden unter ihnen ist der Name h-Moll-Messe (der übrigens nicht von Bach stammt, aber das ist eine andere Geschichte) jedoch durchaus vertraut. Sie können ihn nur nicht korrekt aussprechen, weil sie nicht ha, sondern asch sagen: la aʃ mɔl mεsə [la asch moll messö].

Das ist natürlich zu kompliziert. Unter Kollegen lässt man zunächst „Messe“ weg – man weiß ja, wovon man spricht. Also: la aʃ mɔl [la asch moll].

Durch Zusammenziehung der Silben fällt nun das behauchte h (h aspiré) weg: la aʃ [la asch] wird zu laʃ [lasch]. Zusammen mit dem Moll ergibt das laʃ mɔl [lasch moll].

Weil nun die ersten beiden Buchstaben sehr nach dem französischen weiblichen Artikel aussehen und auch so klingen und man im Französischen sowieso nie weiß, wann ein Wort aufhört und das nächste beginnt, wird aus laʃ mɔl [lasch moll] zwangsläufig la ʃmɔl [la schmoll]. Verschwunden ist der deutsche Name und fertig ist ein neues, schönes, französisches Wort, das sich wunderbar aussprechen lässt … und das kein Deutscher versteht.

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