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Angefangen hat es vor rund 20 Jahren mit der Lufthansa und ihrem Vielfliegerprogramm Miles & More. Damit kann man nicht nur Meilen sammeln, sondern tolle Preise gewinnen: einen Zero-Gravity-Flug (im März), einen Power-Shopping Trip (im Mai), Konzertkarten für Depeche Mode live in Düsseldorf mit Soundcheck, VIP-Plätzen und Meet & Greet mit der Band (im Juni) oder Lifestyle & Shopping – Fashion & More, ein glamouröses Package zur Berliner Fashion Week 2014 mit Styling, Fashion-Makeover und Limousinen-Service zu Shows und Partys (im Juli). Wow!

Inzwischen grassiert die Wortverbindung „and more“ (oft mit kaufmännischem &) wie eine Seuche; sie wird an alles gehängt, was nicht niet- und nagelfest ist, wobei das „more“ je nach Kontext alles, etwas oder auch gar nichts bedeutet:

Berlin & more: Stadtrundfahrten in Berlin und Umgebung

Dogs and more: nein, dort kann man keine Hunde kaufen; es ist ein Laden für Hundebedarf (Berlin und Theresienfeld/A) bzw. eine Hundeschule (Büttikon/CH)

Cats and more: Haustierbetreuung (in Wetzikon/CH) für Katzen, Hasen, Wellensittiche, Goldfische, Meerschweinchen, Hamster, Rennmäuse und andere Kleintiere (keine Hunde, Reptilien und giftige Tiere); auf der Webseite sieht man ein Schwein, eine Kuh und ein Schaf, aber keine Katze(n)

viola and more: Leihinstrumente: Violinen, Violen, Celli, Kontrabässe, Gitarren (Rostock und Berlin)

Jazz and more: eine Musikreihe der Musikschule für den Kreis Gütersloh, eine Bar in Bocholt, ein Open-Air-Musikevent (Jazz und Blues) in Wolfsburg, etc.

competence and more: medizinische Personaldienstleistungen (Berlin)

Master and more: Messen, die sich an Bachelor-Studenten, Absolventen und Young Professionals auf der Suche nach einem Master-Studiengang richten

Saigon and more: vietnamesisches Restaurant (Berlin)

More & More: Bekleidungsmarke (Starnberg), derzeit zu bestaunen: die Pre-Fall Collection (englisch für Vorfall-Sammlung) 2013

Ecards and more: Fotokarten, Fotobücher, elektronische Grußkarten (Berlin)

Küchen and more: (Berlin); der antiquiert anmutende Germanizismus rührt wohl daher, dass die meisten Berliner bei „kitchen“ an eine Justizvollzugsanstalt denken würden

Wax & More: Spezialist für Haarentfernung nach brasilianischer Art, außerdem Maniküre und Pediküre, Augenbrauen und Wimpern (Berlin). Ein Blick auf die Preisliste macht erschaudern (weniger wegen der Preise als wegen der angebotenen Dienstleistungen).

eyes + more: Augen kann man dort nicht kaufen, wohl aber Brillen (bundesweit in über 70 Stores)

Coffee & more: Kaffee, Espressomaschinen und Kaffeevollautomaten, Tassen, Kaffee- und Espressolöffel (Staufen), Snacks und kleine Leckereien (Donuts, Muffins, Croissants, Brezel, Kuchen, belegte Ciabatta, Canapees), Erfrischungsgetränke, Weine, Prosecco und Pils (Lippstadt), etc. etc.

Hair & more: über Hundert Friseursalons in Berlin, Ingelheim, Bruchsal, Mainz, Kaltenkirchen, Zwickau, Sindelfingen, Bad Segeberg, etc. (weil es sich so schön reimt, heißt der größere Teil der Salons allerdings „Hair & mehr“).

Light & more: Leuchten, Acessoires (!), Textilien, Geräte (Rosenheim), Leuchten und Licht, Wohnaccessoires, Trend- und Saisonartikel und Wellness (Forchtenberg), Lichtplanung und Beleuchtungskonzepte (Staufen)

Angesichts dieser absolut geist- und witzlosen Rundum-Verblendung würde ich gerne mit Goethe ausrufen: Mehr Licht! – More light!

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