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Die Radiowerbung von Alltours habe ich letzte Woche mindestens zehn Mal gehört.

Sie: Da fliegen sie schon wieder, die Müllers. Die fahren dieses Jahr schon zum dritten Mal in Urlaub!
Er: Die haben wohl geerbt?
Sie: Nee, bei Alltours gebucht.

Zuerst habe ich mich gefragt: Wie können die Müllers, wenn das Jahre gerade begonnen hat, schon zum dritten Mal in Urlaub fahren? Und fliegen die an der Haustür vorbei, so daß alle Nachbarn das sehen? Erst beim letzten Mal ist mir aufgefallen, daß noch mehr an der Sache faul ist.

Aus der ersten Äußerung der Frau sprechen Erstaunen und Neid, und untertönig klingt ein gewisser Vorwurf an den Mann mit: Warum die Müllers und nicht wir? Der Mann reagiert darauf ganz angemessen: Die Müllers können sich so viele Urlaube eigentlich nur leisten, wenn sie geerbt haben. Wir haben nicht geerbt und bleiben daher zu Hause. Die Frau gibt dann aber eine andere Erklärung: Die Nachbarn haben bei Alltours gebucht.

Ich frage mich, was die Frau ihrem Mann vorwerfen will. Wenn sie weiß, daß es bei Alltours günstig ist, warum hat sie dann nicht schon längst mit ihm darüber gesprochen oder selbst dort gebucht? Warum kleidet sie ihren Wunsch nach Urlaub in diese latente Vorwurfsform? Wenn man die Konversation fortsetzte, müßte jetzt kommen:
Er: „Alltours, wasn das?“
Sie: „Ei, das is doch das Reisebüro mit den günstigen Preisen.“
Er: „Na, dann laß uns doch auch bei Alltours buchen!“
Sie: „Danke, du bist ein Schatz!“

Kann die Frau das nicht direkt sagen?

(NB: Nach Wiederhören am 20. Januar aktualisiert)

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