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Mein Sohn kam heute abend von einem Kurzurlaub in der Uckermark zurück. Gegen 19 Uhr versuchte ich, ihn mit dem Mobiltelefon zu erreichen, aber er ging nicht ran. Typisch Bahn, dachte ich, wieder mal kein Empfang. Ich beendete den Anruf und bekam Sekunden später eine Nachricht:

Kann jetzt nicht sprechen…Ich bin unterwegs.

Das ist doch Unsinn, dachte ich. Warum soll er nicht sprechen können, wenn er unterwegs ist? Eine Bahnreise ist doch keine Schulstunde. Am Empfang kann’s nicht liegen, sonst wäre die SMS auch nicht durchgekommen. Und warum schreibt er so seltsam? Vor und nach den drei Pünktchen fehlen die Leerzeichen. Im ersten Satz fehlt das Personalpronomen. Das ist in Ordnung; wenn man in Eile ist und im Telegrammstil schreibt, kann man es weglassen. Aber wenn man es im ersten Satz wegläßt, schreibt man es auch nicht im zweiten. „Ich kann jetzt nicht sprechen. Ich bin unterwegs.“ wäre rein sprachlich ok, „Ich kann jetzt nicht sprechen. Bin unterwegs.“ wäre besser, „Kann jetzt nicht sprechen. Bin unterwegs.“ wäre am wahrscheinlichsten.

Des Rätsels Lösung: Die Nachricht kam zwar vom Mobiltelefon meines Sohnes, er hatte sie aber gar nicht verfaßt! Auf seinem Bildschirm erschien: „Mama – verpaßter Anruf. Antwort an Mama: Kann jetzt nicht sprechen…Ich bin unterwegs.“ Er mußte das nicht etwa bestätigen und „senden“ klicken, sondern seine angebliche Antwort hatte sich schon selbst versendet. Wahnsinn! Nicht zu fassen!

Der Versuch, das Unglaubliche zu Hause zu wiederholen, ist gescheitert. Mein Sohn meint, das sei logisch, schließlich sei er ja nicht mehr unterwegs. Das leuchtet ein. Aber woher weiß Vodafone, daß er vorher unterwegs war? Was geht das Vodafone überhaupt an? Und wieso mischt man sich ungefragt in unsere Kommunikation ein?

So wie man die meisten Phishing-Versuche an der übermäßigen Anzahl der Rechtschreib- und Grammatikfehler unschwer erkennt, so verrät sich auch hier die Fälschung in der mißlungenen Ausdrucksgestalt. Das hätte Vodafone besser machen können. Aber der eigentliche Skandal ist hier ausnahmsweise nicht der Verzicht aufs Lektorat.

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