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Dinkel ist eine alte, heimische, dem Weizen verwandte Getreideart. Anders als das Weizenkorn ist das Dinkelkorn aber fest mit den Spelzen verwachsen und muß vor dem Verzehr entspelzt werden. Das hat es mit dem Reiskorn gemeinsam.

Nicht jeder weiß das. Man muß es auch nicht wissen. Wenn Dinkel in der Lebensmittelabteilung verkauft wird, kann man sich denken, daß er eßbar ist. Das schließt Hinweise zu Kocheigenschaften und Zubereitung (etwa auf der Rückseite der Packung) nicht aus. Anscheinend herrscht aber unter den Produzenten ein tiefes Mißtrauen gegenüber Dinkel. Oder sie vermuten eine unüberwindbare Hemmschwelle beim Verbraucher. Wie sonst ist eine solche Verpackung zu erklären:

Dinkel

Aber damit nicht genug. Was auf den ersten Blick wie eine Erklärung daherkommt, wird in der Folge zum Bestandteil des Namens. Aus Dinkel wird Dinkel wie Reis. Auf der Packung liest sich das so (im Original mal mit, mal ohne Fettdruck): „Dinkel wie Reis ist eine echte Vollwert-Alternative zu Reis und eignet sich für leckere Gemüsefüllungen, Risottos und Suppen. Oder Sie genießen Dinkel wie Reis als wohlschmeckende Beilage zu Fisch- und Fleischgerichten. Dinkel wie Reis – ein wertvoller Beitrag zu Ihrer ausgewogenen Ernährung“. Nicht nur in der Anleitung zur Zubereitung, sondern auch bei den ernährungsphysiologischen Angaben steht ausnahmslos „Dinkel wie Reis“, obwohl sich 100 % harmloser Dinkel in der Packung befindet.

Wer weiß, wo das hinführt? Wird Dinkelgrieß demnächst als Dinkel- wie Weizengrieß (zu befürchten ist: Dinkel wie Weizen Grieß) verkauft? Von Reisgrieß hat man (anders als von Reismehl) noch nicht gehört. Man könnte auch Erbsen wie Heidelbeeren verkaufen. Größe und Konsistenz stimmen ungefähr überein, und mit ein bißchen Lebensmittelfarbe bekommt man den kleinen Unterschied auch in den Griff. Ist doch eh alles Jacke wie Hose.

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