Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Die französische Journalistin und Schriftstellerin Pascale Hugues hat 2009 ein Buch veröffentlicht, in dem sie die Geschichte ihrer Großmütter Marthe und Mathilde – einer deutschen und einer französischen Elsässerin – erzählt. Von diesem Buch (das ich in französisch gelesen habe) hatte ich mir viel versprochen: eine spannende persönliche Geschichte vor einem historisch äußerst interessanten, aber außerhalb des Elsaß nicht sehr bekannten Hintergrund. Leider wird zwar viel Material zusammengetragen, aber es wird 1. langweilig und 2. keine wirkliche Geschichte erzählt. Das liegt m. E. in erster Linie am fehlenden psychologischen Gespür der Autorin, der es nicht gelingt, die Persönlichkeiten ihrer Heldinnen zu erfassen und zu beschreiben. So erschließt sich zum Beispiel nicht, was die ‚unglaubliche‘ Freundschaft zwischen den beiden Frauen (das spezifische Thema des Buches!) begründet und über all die Jahrzehnte zusammenhält – im Gegenteil geht es vielmehr um Neid, Eifersucht und Rivalität.

Richtig geärgert habe ich mich darüber, daß es im Buch kaum ein orthographisch korrekt geschriebenes deutsches Wort, geschweige denn einen orthographisch korrekten deutschen Satz gibt. Hier ein paar Beispiele:

S. 112: ‚la brigade Erhahrdt‘ statt ‚la brigade Ehrhardt‘
S. 114/115: ‚Fraülein Goerke‘ statt ‚Fräulein Goerke‘
S. 115: ‚le Sozialisticher Erzieher‘ statt ‚le Sozialistischer Erzieher‘
S. 187: ‚la Entwelchung‘ statt ‚la Entwelschung‘
S. 192: ‚Judenrein‘ statt ‚judenrein‘
S. 234: Der internationale Früschoppen‘ statt ‚Der internationale Frühschoppen‘
S. 261: ‚valleri, vallera‘ statt ‚falleri, fallera‘
S. 262: ‚oben und unten steigen‘ statt ’nach oben und nach unten steigen‘
S. 266: château ‚Schönhubel‘ statt ‚Schönbühel‘
S. 274: ‚Wie Schade, Schatz‘ statt ‚Wie schade, Schatz‘
S. 305: ‚Muss i denn zum Städele hinaus‘ statt ‚Muss i denn zum Städtele hinaus‘

In einem Buch, das die Besonderheit des Elsaß und die deutsch-französischen Beziehungen explizit zum Thema hat und dessen französischer Text ganz ordentlich lektoriert ist, finde ich diese Fehler absolut peinlich. Sie sind umso mehr verwunderlich, wenn man bedenkt, daß die Autorin seit 1989 in Deutschland lebt und mit einem Deutschen verheiratet ist.

Advertisements