Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Die deutsche Sprache zeichnet sich auch dadurch aus, daß man durch das Aneinanderreihen von Wörtern beliebig viele neue Wörter bilden kann. Solcherart zusammengesetzte Wörter nennt man Komposita (Singular: Kompositum). Es gibt wunderschöne Beispiele wie Streichholzschachtel, Roggenvollkornbrötchen und Lindenblütentee.

Es gibt aber auch ausgesprochen unschöne Komposita, von Bürokraten und anderen Kleingeistern erdacht, die an der Aufgabe scheitern, komplexe Sachverhalte in einem Wort zusammenzuzwingen.

So bezeichnet der Begriff “Wahlpflichtfach” in Deutschland ein Schulfach, das man belegen muß, allerdings aus einer Gruppe von Fächern auswählen kann – erst kommt die Pflicht, dann die Wahl; anders gesagt: man ist zur Wahl verpflichtet. In Österreich dagegen sind Wahlpflichtfächer Fächer, die frei gewählt werden können, nach der Wahl aber verbindlich besucht werden müssen – erst die Wahl, dann die Pflicht; anders gesagt: man ist nach der Wahl verpflichtet.

An deutschen Universitäten wiederum gibt es in vielen Disziplinen Pflichtfächer, Wahlpflichtfächer und Wahlfächer. Ob der auf der Seite der Uni Augsburg gefundene Satz “Hat ein Studierender ein Fach ausgewählt, wird es wie ein Pflichtfach behandelt” aber für Wahlpflichtfächer und Wahlfächer oder nur für Wahlpflichtfächer gilt, wird auch im Kontext nicht klar.

Tendenziell sind Vorsicht und Mißtrauen geboten; verheißt doch schon die Kombination „Wahlpflicht“, wenngleich verhüllt, nicht zunächst Freiheit der Wahl, sondern Zwang zur Wahl und Repression im Falle der Verweigerung.

Advertisements