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Der Unterschied zwischen Sein und Schein verschwimmt zusehends, auch in der Sprache. Der Deutschen Bahn beispielsweise gelingt es, so zu formulieren, daß real existierende Verspätungen nicht mehr als solche wahrgenommen und damit gleichsam ungeschehen gemacht werden.

Letzten Mittwoch hatte unser Zug von Berlin nach Köln rund 10 Minuten Verspätung. Dieses Wort geschickt vermeidend, hieß es in einer Durchsage kurz vor Köln: „Wir erreichen Köln um 17 Uhr 20. Es besteht noch Anschluß an den ICE 1234 nach Stuttgart. Abfahrt war um 16 Uhr 53, heute um 17 Uhr 30 aus Gleis 4“. Wieso war? Die Abfahrt war ja gerade nicht um 16 Uhr 53, sondern hätte um 16 Uhr 53 sein sollen. Der Irrealis der Vergangenheit hätte mit dem Konjunktiv II des Perfekts ausgedrückt werden müssen. Die Deutsche Bahn aber hat frech den Indikativ benutzt und damit so getan, als hätte alles seine Richtigkeit und als wäre der Zug zur geplanten Zeit abgefahren. Die bittere Wahrheit – daß nicht nur der Zug von Berlin nach Köln, sondern auch der Zug nach Stuttgart Verspätung hatte -, blieb unausgesprochen.

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