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Ich dachte, das Thema Modalverben sei in diesem Blog durch. Daß es aber immer noch schlimmer kommen kann, als man denkt, zeigt ein Kommentar zur Freigabe der „Pille danach“ in der Berliner Morgenpost vom 27. November. Der Absatz beginnt so:

„In Deutschland können Frauen die ‚Pille danach‘ nun bald trotzdem rezeptfrei erhalten. Das hat die Europäische Arzneimittelbehörde beschlossen, und die CDU/CSU folgt diesem Kurs. Das ist ein wichtiger und überfälliger Schritt, der in den meisten EU-Ländern ohnehin längst vollzogen ist. Er erlaubt Frauen die freie Entscheidung darüber, …“

Jetzt wird es spannend. In Kenntnis der Wirkungsweise der „Pille danach“ (die den Eisprung verhindert, aber nicht mehr wirkt, wenn eine befruchtete Eizelle sich bereits in der Gebärmutter eingenistet hat) müßte es so heißen: Er erlaubt Frauen die freie Entscheidung darüber, ob sie, sofern der Eisprung noch nicht stattgefunden hat, eine mögliche Schwangerschaft akzeptieren oder verhindern.

Der Text im Kommentar sieht den Sachverhalt ganz anders:

Pille danach

Das ist zunächst kompletter Sprachmüll (1. der Wille ist prinzipiell frei; man muß sich nicht entscheiden, etwas zu wollen; 2. die Möglichkeit einer Entscheidung für eine Schwangerschaft scheint vollkommen ausgeschlossen – frau entscheidet hier nicht, ob oder ob nicht, sondern es ist von vornherein klar, daß sie nicht will), und dann ist es auch inhaltlich falsch. Denn auch wenn die Frau die „Pille danach“ genommen hat, kann sie schwanger sein. Und dann hat sie weder die (freie) Entscheidung über die Tatsache der Schwangerschaft als solche noch über ihren Willen, nicht schwanger zu werden.

Mit meinem Verständnis von gutem Journalismus hat ein solcher Kommentar nichts zu tun.

Warum die „Pille danach“ als „Notfallverhütung“ bezeichnet wird, bedarf (mindestens) eines eigenen Artikels.

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