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oder: Falscher Verdacht

„Scharfschütze sollte seine Töchter erschießen“ – so übertitelt die Bild-Zeitung ihren Bericht über eine Erpressung. Ohne Kontext ergibt der Satz nur dann Sinn, wenn ein Scharfschütze gezwungen würde, seine eigenen Töchter zu erschießen. Aber wer dürfte ihn zu so etwas zwingen?

Der Titel selbst – „Erpresser bedrohte Seitenbacher-Chef“ – scheint etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Es waren die Töchter des Seitenbacher-Chefs, die von einem Scharfschützen erschossen werden sollten! Seitenbacher, ausgerechnet! Oder doch nicht? So geht es weiter:

Untertitel: „Müsli-Gigant sollte eine Million Euro am Alexanderplatz übergeben“. Und anschließend der Satz: „Er wollte seine Töchter von einem Scharfschützen erschießen lassen und sein Müsli vergiften!“ Also doch! Das Personalpronomen „er“ muß sich auf ein männliches Substantiv im vorangehenden Satz beziehen, und weil der Alexanderplatz aus naheliegenden Gründen ausscheidet, bleibt nur der Müsli-Gigant als Täter übrig. Irgendwie hat man es schon immer gewußt.

Weil er die Töchter, angenommen,
Sie wären wirklich weggekommen –
Und darauf wag ich jede Wette –
Erschossen würde haben hätte!
(mit Dank an Eugen Roth)

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