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Internet ist kein Neuland. Umso befremdlicher ist es, daß man sich bei der Kommunikation im Netz immer öfter wie ein Kleinkind behandelt fühlt. Ich habe verschiedentlich darüber geschrieben. Hier ein besonders abstoßendes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit.

Mein Blog läuft bei WordPress. Wenn ich einen Beitrag verfasse und ihn nicht sofort veröffentliche, sondern zunächst einmal speichere, kommt seit kurzem die Meldung „Entwurf am (!) Text & Sinn gespeichert. Weiter so!“ Ich kann den größten Mist oder absoluten Unsinn geschrieben haben – die Meldung kommt trotzdem, vollkommen unabhängig vom Inhalt und von dessen Qualität. Publiziere ich den Beitrag, kommt die Pseudo-Rückmeldung: „Du hast gerade einen Beitrag auf Text & Sinn veröffentlicht. Hurra!“ Warum dieser Freudenschrei? Bei wem löst das bloße Faktum des Veröffentlichens solche Begeisterung aus? Und wenn ich anschließend etwas ändere (das kann eine sinnvolle Korrektur oder Ergänzung sein, ich könnte aber auch den gesamten Text löschen und durch einen einzigen Buchstaben ersetzen, es ist völlig egal), dann heißt es wohlwollend, ja kennerhaft: „Beitrag wurde aktualisiert. Sieht gut aus!“

Lauter hohle Phrasen – an mich adressiert, aber von niemandem gesendet. Nur programmiert.

Daß ich schreiben kann, was ich will, und daß eine Zensur nicht stattfindet, ist ja eigentlich in Ordnung (alles andere wäre ein Skandal). Aber aus dem Alter, wo ich Zuspruch und Ermunterungen wie „Weiter so!“, „Hurra!“ und „Sieht gut aus!“ nötig hatte, bin ich heraus. Der Skandal ist, daß ich diese automatisierten Pseudo-Rückmeldungen nicht ausschalten oder abbestellen kann und mich ständig in der Rolle des Kleinkindes wiederfinde, ungewollt und ohne mich dagegen wehren zu können. Und es ist kein Trost, daß WordPress auch diesen Beitrag bejubelt.

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