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Normalerweise wird der Wetterbericht im Radio und im Fernsehen sommers wie winters in einem recht sachlichen und neutralen Ton vorgetragen: „tagsüber meist sonnig, abends zunehmend bewölkt“, „mit 15 bis 18 Grad für die Jahreszeit zu kühl“, „vormittags trocken, am Nachmittag vereinzelt Schneeschauer“, „Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, nachts stellenweise Frost“.

Der Ton ändert sich jedoch schlagartig, sobald – und nur dann, wenn – von Gewittern die Rede ist. Gewitter sind ja bekanntermaßen nicht Wetter, sondern Un-Wetter, die zunächst vielleicht harmlos in der Luft liegen, sich dann aber unheilvoll zusammenbrauen, bevor sie sich mit Blitz und Donner entladen und dabei mehr oder weniger große Verheerungen anrichten. Gewitter gehören ihrer Natur nach nicht zu den gemäßigten, sondern zu den eher heftigen meteorologischen Erscheinungen, und im Unterschied zu Sonnenschein und Nieselregen muß der Mensch vor Gewittern – zumindest vor kräftigen Gewittern – also gewarnt werden. So weit, so gut. Ich frage mich aber, warum die Radio- und Fernsehsprecher das Wort „kräftig“ nahezu ausnahmslos so übermäßig betonen. Spricht das Wort nicht für sich? Wird es erst glaubwürdig, wenn die Aussprache den Sinngehalt gleichsam verdoppelt?

Wem es einmal aufgefallen ist, dem wird „kräftig“ zum Kraftwort, ja, zum Ohrwurm.

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