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Wenn der Bach-Marathon einen Bindestrich bekommen hat, warum wurde er dann dem mitreißenden Bach verwehrt?

mitreißend

Wer laut oder in Lauten liest, liest so, wie es da steht, also getrennt: „mit reißender Bach“ – und dann klingt das i in „mit“ eher wie ein helles e, und die Betonung liegt auf der Silbe „rei“. Das ist grammatisch und sprachlich vollkommener Unsinn. Er wird aber dadurch evoziert, daß das Wort „mit“ im Deutschen ein eigenständiges und sehr geläufiges Wort ist und 3-Wort-Wendungen weit verbreitet sind: mit fliegenden Fahnen, mit schlechtem Gewissen, mit viel Gedöns, mit reißender Strömung …

Ein „mitreißender Bach“ – um den es doch eigentlich geht – liest sich ganz anders, mit sehr hellem „i“ und Betonung auf der Silbe „mit“.

So soll man es aber anscheinend nicht lesen. Sonst hätte man ja einen Bindestrich gesetzt. Warum hat man das nicht getan? Wäre das zu banal? Warum führt man die Leser hinters Licht, läßt sie so ins Stocken geraten? Cui bono? Ich habe den Eindruck, daß man Brüchigkeit simulieren will, um nicht altbacken, sondern modern zu wirken. Das Mißtrauen der Kulturindustrie in die Kunst. Als ob Bachs Musik das nötig hätte!

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