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Vor Jahren habe ich in Le Vésinet, einem westlichen Vorort von Paris, als Fremdsprachenassistentin gearbeitet. In der Gegend gab und gibt es zahlreiche künstliche Seen, und als ich Anfang September dort hinzog, wimmelte es von Stechmücken. Ich kämpfte die ganze Nacht mit einer politischen Zeitschrift gegen die Biester, und am nächsten Morgen waren die mit gelblicher Ölfarbe gestrichenen Wände meines Zimmers voll kleiner roter Flecken: mein Blut! Es war der reinste Horror! Des Französischen im Detail noch nicht so kundig, habe ich im Wörterbuch nachgeschlagen, und als ich am folgenden Samstag in Paris das Sportgeschäft betrat, habe ich sehr bestimmt einen musquetaire verlangt – ein Musketier! Dabei wollte ich doch nur ein Moskitonetz – ein moustiquaire. Ich hatte die beiden harten Konsonanten t und k vertauscht; die Vokale hatten sich entsprechend angepaßt.

Es ist auch immer wieder witzig, wie manche Deutsche den Namen Michelangelo aussprechen. Während es im Italienischen vorne wie k und hinten wie dsch klingt, hört es sich im Deutschen sozusagen genau umgekehrt an, nämlich vorne mit sch und hinten mit g: Mischelangelo. Ein ähnliches Schicksal ist der Eissorte Stracciatella beschieden: statt S-tratschatella sagt zumindest ein großer Teil meiner Verwandtschaft Schtraziatella.

Interessanterweise entstehen nicht nur Wortspiele, sondern richtige Fehler auch durch Vertauschen von Konsonanten in der Muttersprache. Als der brandenburgische Minister Klaus Ness im Dezember starb, hieß es in zahlreichen Nachrufen, er habe das Amt des Generalsekretärs der brandenburgischen SPD „begleitet“. Dabei hat er dieses Amt nicht (etwa als teilnehmender Beobachter) begleitet, sondern es selbst bekleidet, nämlich mit seiner Person ausgefüllt. Als ich „begleitete das Amt“ bei Google nachschaute, war ich entsetzt über die Anzahl der Treffer. Das ist so, als würde ein Franzose einen Kuchen („gâteau“ – vorne weiches g, hinten hartes t) mit einem Geschenk („cadeau“ – vorne hartes k, hinten weiches d) verwechseln.

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