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Mit Text hat der Regenponcho eigentlich nichts zu tun, mit Sinn schon eher, und da der Buchstabe R im Kleider-machen-Leute-Projekt eines Wortmischers aus unerfindlichen Gründen noch frei war, dachte ich, ich könnte eine Ehrenrettung des besagten Regenponchos versuchen.

Ich fahre seit Jahren Rad, fast täglich, rund 4.000 km im Jahr, und das seit mehr als 20 Jahren in Berlin, aber meinen ersten Regenponcho für Radfahrer habe ich mir erst letztes Jahr gekauft. Und sofort ist er zu meinem Lieblings-Kleidungsstück geworden. Nicht, daß ich ihn gerne trüge. Aber ich trage ihn. Oft. Viel zu oft. Denn seit ich ihn habe, regnet es immer dann, wenn ich gerade Rad fahren muß. Bevor ich ihn hatte, habe ich entweder gewartet, bis der Regen aufhörte (das konnte lange dauern, und ich will nicht wissen, was ich dadurch verpaßt habe), oder ich habe meine normale (d. h. nach spätestens 3 Minuten regendurchlässige) Regenjacke und meine normale (d. h. spätestens nach 30 Sekunden regendurchlässige, dabei vollkommen unförmige) Regenhose angezogen und Kleidung zum Wechseln in einer Plastiktüte in den Rucksack gepackt. Wenn ich dann da ankam, wo ich hinwollte, mußte ich mich, triefend vor Nässe, erst in die Sanitärräume begeben, um mich umzuziehen, und dann stellte sich immer die Frage: Wohin jetzt mit den nassen Sachen? Außerdem habe ich in der normalen Regenjacke immer fürchterlich geschwitzt. Man mußte sie nämlich gut zumachen, sonst wäre man schon nach 10 Sekunden pitschnaß gewesen. So war man es 5 Minuten später von innen.

Nicht so mit dem Regenponcho. Der Regenponcho bleibt im Gegenteil nach unten offen. Das sorgt nicht nur für gute Be- und Entlüftung, sondern ist der eigentliche Trick. Denn wenn man den Poncho so faßt, daß die Hände das untere Bündchen am Lenkrad festhalten, bildet er so etwas wie eine Markise, die verhindert, daß sich der von oben herabprasselnde Regen auf den Beinen/dem Rock/der Hose niederläßt und diese näßt. Der Regen sammelt sich statt dessen – richtig! – auf dem Poncho, und bevor sich ganze Pfützen dort ansammeln und womöglich überlaufen, sollte man das Regenwasser bei der nächsten roten Ampel tunlichst auskippen. Dabei muß man darauf achten, genug Abstand zu den Beinen zu halten, sonst geht das ganze nach hinten los …

Ich möchte den Nachteil des Ponchos nicht verschweigen: Wenn man das Bündchen am Lenkrad festhält, um an den Beinen nicht naß zu werden, kann man natürlich kein Handzeichen geben und folglich nicht abbiegen. Wer immer geradeaus fährt, wird daran selbstverständlich keinen Anstoß nehmen.

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