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Nichts Böses denkend, habe ich Spinat gekauft und erst zu Hause die Verpackung gelesen:

le cru et le cuit

„Roh, gegart oder als Beilage“ – wie soll die Beilage denn sein, wenn nicht roh oder gegart? Ein Drittes scheint es nicht zu geben.

Gut, daß wir Lévi-Strauss gelesen haben, denn der wußte es schon vor über 50 Jahren besser: Wir können unsere Nahrung in einem kulinarischen Dreieck verorten, dessen Ecken die Reinform dreier Zustände bilden: roh (unbearbeitet), gekocht (durch kulturelle Bearbeitung transformiert) und verfault (im Zustand der Zersetzung).

Für Interessierte hier der Gedanke im Zusammenhang der transkulturellen Universalien für die Unterscheidung von Natur und Kultur:
„Es läßt sich … nachprüfen, dass die Gé-Mythen vom Ursprung des Feuers, wie die Tupi-Guarani-Mythen über dasselbe Thema, mittels eines doppelten Gegensatzes vorgehen: des Gegensatzes zwischen roh und gekocht einerseits, zwischen frisch und verfault andererseits. Die Achse, welche das Rohe und das Gekochte vereint, ist ein Charakteristikum der Kultur, diejenige, welche das Rohe und das Verfaulte verbindet, ein Charakteristikum der Natur, da das Kochen die kulturelle Transformation des Rohen vollendet, so wie die Fäulnis seine natürliche Transformation ist.“
Claude Lévi-Strauss: Mythologica I. Das Rohe und das Gekochte (frz. Le cru et le cuit, 1964).

Der Verfasser der Gebrauchsanweisung auf der Spinatverpackung hat wahrscheinlich nicht an verfaulten Spinat gedacht. Sonst hätte er sich präziser ausgedrückt.