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Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel „Wie soll das ‚Bruderkalb‘ leben? – Der Rieshof packt die Zunkunftsaufgabe an“ aus dem Demeter Journal, Winter 2016

lauf-der-dinge

Der Satz, auf den es mir ankommt: „Für unsere Kunden gehört es zum normalen Lauf der Dinge, dass Tiere gut leben und dann gut sterben, um dem Menschen Fleisch und Wurstwaren zur Verfügung zu stellen“.

Diesen Satz muß man sich Wort für Wort auf der Zunge zergehen lassen. Er ist schon grammatisch ganz falsch, denn Tiere leben und sterben nicht (egal, ob gut oder schlecht), „um“ sich dem Menschen als Ware „zur Verfügung zu stellen“. Wer so formuliert (hier: Andreas Theimann von den Demeter Landbauerzeugnissen), unterstellt dem Tier eine Intention jenseits aller tierischen Instinkte; eine Intention, die seiner Natur (die auf Selbsterhaltung und Arterhaltung zielt) total widerspricht.

Wahrscheinlich entspringt der Satz dem Wunschdenken seines Autors: Wenn das Tier gut leben und sterben würde, und das gewissermaßen zu dem Zweck, dem Menschen als Fleisch und Wurst zur Verfügung zu stehen, müßte der Mensch kein schlechtes Gewissen haben, wenn er es verspeist. Der Bauer müßte dann auch kein schlechtes Gewissen habe, es zu züchten und schließlich zu schlachten.

Der Autor selbst glaubt eigentlich nicht daran. Er kennt seine Tiere und weiß, daß es so, wie es ist, nicht normal ist. Er beruhigt sich mit dem Verweis auf den Kunden, auf den er die Frage nach der Moral abwälzt. Aber anstatt die grausame Wirklichkeit zu benennen, verweist er auf den getrübten Realitätssinn des Kunden, dessen angebliches Verständnis vom „normalen Lauf der Dinge“ gewissermaßen als Entschuldigung für die Tierhaltung und -tötung herhalten muß.

Dabei müßte schon die Rede vom Lauf der „Dinge“ mißtrauisch machen, wenn es um Tiere und Menschen geht.