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Bis vor ein paar Jahren konnte man auch ohne CD- und DVD-Spieler fast den gesamten Karfreitag mit den Bachschen Passionen verbringen. Es fing morgens im Radio an, dann kam eine Passion im Fernsehen, dann wieder eine im Radio, am späten Nachmittag noch einmal eine im Fernsehen, und auch spätabends war meist noch eine Passion zu hören oder zu sehen. Oft gab es Überschneidungen, so daß man sich entscheiden mußte: lieber die Johannespassion im rbb Kulturradio, oder die Matthäuspassion im Bayerischen Fernsehen? Das waren noch Zeiten! In diesem Jahr gibt es im Radio, das ich empfangen kann, zweimal die Johannespassion (15 bis 17 Uhr rbb Kulturradio, 20 bis 22:30 Uhr DLR Kultur). Immerhin! Im Fernsehen herrscht nämlich vollkommene Funkstille. Zwischen Pippi Langstrumpf, Otto, Tim und Struppi, Hänsel und Gretel, Asterix, Tarzan, dem Bullen von Tölz, Ice Age, Titanic, Rosamunde Pilcher, Miss Marple, Heintje, Pfarrer Braun, den Fuggern, Zoogeschichten und Schlafes Bruder ist anscheinend nirgends mehr Platz für ein musikalisches Werk mit Bezug zum religiösen Aspekt dieses Feiertages. Nur auf den MDR (der meines Wissens jedes Jahr eine Matthäuspassion mit den Leipziger Thomanern zeigt) ist Verlaß. Diesmal wird eine Aufzeichnung aus dem Jubiläumsjahr 2012 ausgestrahlt. Sie beginnt um Punkt Mitternacht (am Karsamstag) und dauert bis 2:45 Uhr morgens. Wahrscheinlich geht es den Öffentlich-Rechtlichen nicht um die Einschaltquote. Trotzdem – oder gerade deswegen – wüßte ich gerne, warum man sich nicht um einen zuschauerfreundlicheren Sendeplatz bemüht hat.