Hasenfuß

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Wer wagt, gewinnt. Natürlich nicht immer. Man kann verlieren, versagen, verunglücken. Dieses Risiko nimmt man aber in Kauf, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, daß eine Sache gelingt.

Im Berliner Wahlkampf hat die FDP mit diesem Plakat ein Eigentor geschossen:

FDP 2016

Wer sich so ausdrückt, hat schon verloren. Wer riskiert, daß etwas funktioniert, geht grundsätzlich von einem Scheitern aus. Und wenn das ohnehin nur mögliche Funktionieren obendrein im Konjunktiv daherkommt, mag man an ein Gelingen gar nicht mehr glauben.

Die FDP hat wohl eingesehen, daß der Spruch daneben ist. Seit gestern sehe ich nur noch Plakate mit demselben Bild von Sebastian Czaja, aber mit anderem Text: „Wählen Sie doch mal jemanden, der etwas verändern will.“ Klingt für mich allerdings auch nicht sehr überzeugend.

Abtropfgewicht

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Bei der Tombola des veganen Sommerfestes am Alex habe ich eine Packung Einhorn-Kondome gewonnen.

Einhorn 1.JPG

Unter den „Mehrwerten“ auf der Rückseite („Kalorienverbrauch 350 kcal bei 30 min aktivem Sex“; „peinliches Einkaufserlebnis 0%“) gibt mir dieser die meisten Rätsel auf:

Einhorn 3

 

auf märkischen Sand gebaut

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Auf dem Europaradweg Berlin – Sulęcin, der zwischen Buckow und Münchehofe streckenweise so aussieht:

Europaradweg

hat der Europäische Fonds für regionale Entwicklung ein Projekt offensichtlich in den märkischen Sand gesetzt:

Projekt

Jedenfalls ist weit und breit nichts zu sehen, was an ein Projekt erinnert und den Gebrauch des Demonstrativpronomens rechtfertigen würde.

nach der Reform …

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Am 1. August hat der MDR einen Beitrag zum Thema „20 Jahre Rechtschreibreform“ gesendet, den man hier nachhören kann. Direkt daneben gibt es einen Hinweis auf Korrekturen, und dort steht über den Beitrag:

Im Programm von MDR 1 RADIO SACHSEN lief am Montag, 1. August 2016, um 16:47 Uhr ein Bericht zu „20 Jahre Rechtschreibreform“. Dieser wurde am selben Tag um 21:54 Uhr von MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio gesendet. In diesem Beitrag ist uns ein Fehler unterlaufen. Darin hieß es: „Die beiden Wörtchen seid und seit sollen ab dem neuen Schuljahr zusammengelegt werden in seidt – also hinten mit d und t. Denn an der richtigen Verwendung von seid oder seit scheiterten bisher 70 Prozent der Deutschen.“  Dies trifft nicht zu. Die Redaktion von MDR 1 RADIO SACHSEN und die Autorin bedauern den Fehler. Wie kam es dazu? Die Reporterin hatte die Information bei ihren Recherchen erhalten und leider nicht gegengeprüft. Offensichtlich geht diese Information auf eine Mitteilung der Satireseite „Der Postillon“ zurück. Die Meldung war der Reporterin zu dieser Zeit nicht bekannt. MDR 1 RADIO SACHSEN hat am Mittwoch, 3.8.2016, zur selben Sendezeit auf den unterlaufenen Fehler hingewiesen und ihn korrigiert.

Nicht korrigiert wurde ein Grammatikfehler derselben Reporterin, der zum Zeitpunkt der Recherchen offenbar auch nicht bekannt war, daß die Präposition nach nicht mit dem Genitiv, sondern mit dem Dativ steht. Weil’s so schön war, hier der ganze Satz im Zusammenhang (01:49 ff.):

>>Ja, die Rechtschreibreform läßt vieles zu und verzeiht vieles. Und dennoch wird auch heute, 20 Jahre nach des Inkrafttretens, immer noch an ihr herumgebastelt.<<

Zeitfenster

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Vor zwei Tagen habe ich über Amazon einen Ersatzlampenschirm für eine Bankerlampe bestellt. Am selben Tag bekam ich von der liefernden Firma über Amazon marketplace eine Mail mit dem Betreff: „Bald ist Ihr DPD Paket da“. Darin stand:

„Lieber Paketempfänger,
Ihre Sendung 012345… von xyz stelle ich
in 1-2 Werktagen
an folgende Adresse zu:
Dorothea Wagner

DE-… Berlin
In welchem Zeitfenster Sie mit Ihrem Paket rechnen können, teile ich Ihnen am Tag der Zustellung mit.
Sie können die Sendung nicht entgegennehmen?
Ändern Sie Ort oder Tag Ihrer Zustellung oder geben Sie mir eine Abstellgenehmigung.“

Da ich wußte, daß ich wahrscheinlich nicht zu Hause sein würde, antwortete ich und gab dabei an, der Zusteller solle das Paket vor der Wohnung abstellen, da wir im Dachgeschoß wohnen und das Risiko, daß jemand vorbeikommt und das Paket mitnimmt, sehr gering ist.

Als ich gestern nach Hause kam, fand ich zu meinem Erstaunen einen Zettel von DPD im Briefkasten: Mein Paket sei nicht zustellbar gewesen und könne nach 17:30 Uhr im DPD-Paketshop in der Gotzkowskystraße abgeholt werden. Tatsächlich lag das Paket zur angegebenen Uhrzeit im bezeichneten Laden.

Noch mehr habe ich mich freilich gewundert, als ich heute morgen um 10:31 Uhr eine Mail folgenden Inhalts bekam:

„Lieber Paketempfänger,
Ihre Sendung 012345… von xyz stelle ich
heute zwischen 11:59 und 12:59 Uhr [das nenne ich minutiös!]
an folgende Adresse zu:
Dorothea Wagner

DE-… Berlin“

Kurz darauf, um 10:55 Uhr, kam folgende Mail:

„Lieber Paketempfänger,
es gibt Neuigkeiten zu Ihrer Sendung 012345… von xyz
Ich habe Ihr Paket erfolgreich zugestellt:
Dorothea Wagner

DE-… Berlin
Waren Sie zufrieden? Dann bewerten Sie uns jetzt.
Viele Grüße
Ihr DPD Zusteller“

Es ist ziemlich dreist, daß jemand sich in einem Erfolg zu sonnen scheint, der gar keiner war.
https://textundsinn.wordpress.com/2013/04/19/erfolg/

Wie kommen solche Mails zustande, die mit der Realität der Zustellung gar nichts zu tun haben, ja, ihr ganz offenkundig widersprechen?

CSD 2016

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P1090758Im Unterschied zum Deutschen, wo die Niederlande im Plural daherkommen, sind sie im Englischen „it“ und begnügen sich mit einem Singular-Verb.
http://www.economist.com/style-guide/singular-or-plural
Warum es dann „our freedom“ und nicht „its freedom“ heißt, bleibt zu erforschen.

http://www.blu.fm/blu/szene/die-niederlaendische-botschaft-beim-christopher-street-day/

 

Serviervorschlag

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Man kann kaum verpackte Lebensmittel kaufen, ohne nicht das Zauberwort „Serviervorschlag“ zu lesen. Zum Beispiel Puddingpulver. Auf der Packung ist ein Pudding abgebildet, garniert mit Brombeeren und Minzblättchen. Damit die Leute (sind ja alles Deppen) nicht auf die Idee kommen, in der Packung stundenlang nach frischen Brombeeren und Minzblättchen zu suchen und sich zu beschweren, wenn sie sie nicht finden, steht daneben (ganz klein unten rechts in der Ecke): „Serviervorschlag“.

SV Puddingpulver Sauce Hollandaise soll man mit Spargel oder anderem zarten Gemüse, wahlweise mit Lachs servieren,

SV Hollandaise

beim Trockenpulver für Klöße oder Püree sieht man Fleisch und Sauce auf dem Photo, aber das alles ist natürlich nicht mit in der Packung. Wenn man „Serviervorschlag“ liest, weiß man, woran man ist. Auch für Katzenfutter gibt es jetzt Serviervorschläge. Mit einem Blättchen Katzenminze sehen die eher blassen Stückchen in Gelee gleich viel appetitlicher aus!

SV Katzenfutter

Serviervorschläge sind m. E. zwar überflüssig, aber nachvollziehbar, solange das, was sich in der Packung befindet, außen hübsch garniert daherkommt. Was ursprünglich dem Schutz vor Klagen dienen sollte, treibt aber, einmal losgelassen, recht seltsame Blüten. So zum Beispiel, wenn auf einer Gelatinepackung eine Käse-Pfirsich-Torte abgebildet ist. Man wird ja nicht im Ernst behaupten können, daß, wer die Torte auftischt, Gelatine serviert. Und wer Fisch oder Schnitzel paniert und auf einem Salatbett anrichtet, serviert auch keine Semmelbrösel.

SV Semmelbrösel Noch absurder wird es, wenn das, was zum Servieren empfohlen wird, gar nicht in der Packung ist. So soll man diesen Bio-Joghurt nach dem Vorschlag auf dem Deckel aus einem hölzernen Gefäß mit einem hölzernen Löffel und auf einem mit Gänseblümchen dekorierten Holztisch servieren;

SV Joghurt

auf der Verpackung um den Becher herum aber ist gar kein Joghurt zu sehen. Wenn hier trotzdem „Serviervorschlag“ steht, muß man vermuten, daß sich im Becher doch (und ausschließlich) Gänseblümchen befinden.

SV Gänseblümchen

Und den Alpighurt Typ Käsekuchen-Mandarine, von dem man erwartet, daß Käsekuchen- und Mandarinenstückchen darin sind, soll man, wenn man dem Vorschlag folgt, als Mandarinen-Käsekuchen servieren!

SV Alpighurt

Sehr witzig auch die Verpackung der Heringsfilets (Eigen-Falsch-Schreibung: „Herings Filets“) in Senfcreme mit Dillspitzen (inkonsequenterweise nicht: Senf Creme, auch nicht: Dill Spitzen):

SV Hering

Auf dem Photo liegen die Heringsfilets „natur“ auf einem Brot mit Salatblatt, und nur in der Mitte ist Sauce zu sehen, dekoriert mit etwas frischem Dill. Wenn man den Serviervorschlag als Vorschlag ernst nähme, müßte man die Heringsfilets zunächst aus der Sauce nehmen, abspülen und trockentupfen, aufs Brot legen und anschließend die Sauce an einer bestimmten Stelle wieder darüberkippen. Und das solchermaßen belegte Brot dann am Meeresstrand genießen. Wahnsinn!

 

Nuance?

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Im Zusammenhang mit dem Fall des früheren Spitzels für das Bundesamt für Verfassungsschutz, Thomas Richter („Corelli“), war gestern in den Medien ein vollkommen unsinniger Satz zu lesen und zu hören.

Wahrscheinlich nahm das Verhängnis seinen Ausgang in einem Interview des rbb mit dem ARD-Terrorismus-Experten Michael Götschenberg, das u. a. im Inforadio ausgestrahlt wurde und in dem Götschenberg sagte, daß man, weil Corellis Handydaten seinerzeit nicht korrekt ausgewertet worden waren, „nochmal neu der Frage nachgehen muß, ob er möglicherweise doch Verbindungen gehabt haben könnte zum NSU-Trio“ (00:01:20 ff.).

Ob Tagesschau, WDR, Heise oder netzpolitik.org – die Formulierung wurde überall mehr oder weniger gleichlautend wiederholt und wiedergekäut.

Aber: Der Frage, ob Corelli möglicherweise eine Verbindung zum NSU-Trio gehabt haben könnte, muß man nicht nachgehen, denn sie ist schon längst mit ja beantwortet. Immer noch im Raum dagegen steht die Frage – und das wollte Götschenberg wahrscheinlich eigentlich sagen -, ob der V-Mann solche Verbindungen tatsächlich hatte. Warum hat er das nicht klar gesagt, sondern stattdessen gleich doppelt in die Möglichkeitsform gehüllt? Die grammatisch korrekte Formulierung hätte genau den Unterschied zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit bezeichnet, um den es gerade geht.

Mein Appell an Journalisten: Der unreflektierte Gebrauch von Modalverben kann den Sinn von Sätzen vollkommen entstellen!

 

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