German Mut

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Ich bleibe fast beim Thema – nur das i ging verloren.

“German Angst baut Mauern. German Mut reißt Mauern ein. German Angst – das ist der Blick nach unten. German Mut – das ist der Blick nach vorn. German Angst macht klein. German Mut macht groß.”

So die Worte (man beachte auch die Gesten!) des wiedergewählten FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, der gestern auf dem Parteitag der Liberalen in Berlin in einer Grundsatzrede vor rund 600 Delegierten für einen Mentalitätswandel in Deutschland warb.

Ich finde es seltsam, daß der Chef einer deutschen Partei zur Charakterisierung der Mentalität im eigenen Land einen Begriff benutzt, der im Ausland zur Beschreibung einer als typisch deutsch empfundenen Verhaltensweise verwendet wird. Noch merkwürdiger aber ist, daß auch der Gegenentwurf – der neue FDP-Slogan – zur Hälfte in englischer Sprache daherkommt. Warum nicht deutscher Mut? Hatten Lindner und seine Berater Angst, damit unliebsame Assoziationen zu provozieren? Anders gefragt: Kann jemand den Unterschied zwischen deutschem Mut und German Mut erklären?

St. Germain – die 2.

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St. Germaine

Immer wenn ich an dieser exklusiven Damen-Boutique neben dem Waldorf Astoria im sog. Zoofenster vorbeikomme, schrillen meine Sprach-Alarmglocken. Vermutlich ist der Firmengründer ein großer Liebhaber von Paris, insbesondere vom Quartier Saint-Germain-des-Prés. Die französische Sprache dagegen ist nicht sein Ding. Sonst hätte er bei der Wahl des Firmennamens beachtet, daß das Wort “Saint” (abgekürzt: St.) im Französischen nur bei männlichen Heiligen benutzt wird, während man den weiblichen ein “Sainte” (abgekürzt: Ste.) voranstellt.

St. Germaine wäre intersexuell, ein Hermaphrodit, und diese(n) Heilige(n) kann es daher weder grammatisch noch sinnlogisch geben. Die wirkliche Ste. Germaine (dt.: die heilige Germana) war übrigens alles andere als ein Glamour-Girl oder eine Dame von Welt; sie lebte am Ende des 16. Jahrhunderts in Südfrankreich als Schafhirtin.

St. Germain – die 1.

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Daß französische Wörter selten so ausgesprochen werden, wie man sie schreibt, ist allen, die französisch als Fremdsprache erlernt haben, bekannt. Warum es aber insbesondere den deutschen Sportreportern fast nie gelingt, den Namen der Fußballvereine Paris St. Germain und AS Saint-Étienne richtig auszusprechen, ist mir ein Rätsel.

Wenn die Kommentatorin des Endspiels der Champions League der Frauen heute abend, bei dem sich im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark der 1. FFC Frankfurt und Paris St. Germain gegenüberstanden, “Paris Son Germon” gesagt hätte, hätte ich die Verweigerung in ihrer Konsequenz verstanden. Aber nein – sie sagte immer “Paris Son Germain”, obwohl “Saint” ebenso wie “Germain” mit “ain” geschrieben wird und es objektiv keinen Grund gibt, das eine Wort anders als das andere auszusprechen.

Hier ein Link für alle jene, die üben möchten.

Wunschdenken

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In den Worten Manuel Neuers (Interview im ZDF) hat Bayern München es im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona “bis zum 0:0 richtig gut gemacht”.

Eine schöne Fehlleistung, denn ohne 1:0 auch kein 2:0 und kein 3:0.

knapp vorbei ist auch daneben

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In Spiegel online war gestern zum GdL-Streik zu lesen, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hätte gesagt, “die Grenze der Akzeptanz dieses Tarifstreits in der Bevölkerung sei zunehmend erreicht”.

Wenn Herr Dobrindt das so gesagt hat, dann hat er sich undeutlich ausgedrückt. Man kann eine Grenze entweder erreichen, oder man nähert sich ihr, ohne sie (schon) erreicht zu haben. So wie man ein Ziel entweder erreicht oder eben verfehlt. Erreichen bedeutet Vollendung. Eine Grenze zunehmend erreichen geht nicht – das wäre so, als würde man beim Fußball mit jedem Schuß immer mehr ins Tor treffen, ohne aber ein Tor zu erzielen.

Jetzt oder nie!

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apprenti

Nein, das rote A auf französischen Autos steht nicht für Anarchie, sondern für apprenti, das von apprendre = lernen kommt und Lehrling / Auszubildender / Anfänger bedeutet. Während frischgebackene Führerscheinbesitzer in Deutschland in der Regel unerkannt bleiben, müssen sie in Frankreich dieses A nach der Prüfung – abhängig von der Art ihrer Ausbildung – zwei oder drei Jahre am Auto anbringen. Dafür gibt es sehr strenge Vorschriften; bei Unterlassung wird ein Bußgeld in Höhe von 22 € fällig:
“Le sticker « A » doit être :

  • D’un diamètre de 10 centimètres pour les motocyclettes, tricycles et quadricycles légers a moteurs.
  • D’un diamètre de 15 centimètres  pour les autres véhicules.

Cet autocollant doit être placé de façon à ne pas gêner la visibilité de la plaque d’immatriculation ni celles des feux. De plus, il est interdit de déposer cet autocollant sur la vitre arrière de la voiture, afin de ne pas gêner le champ de vision du conducteur.

Enfin, lors d’un contrôle de police, si cet autocollant n’est pas déposé à l’arrière de votre véhicule, vous risquez alors une amende de 22 euros.”

Geheimnis

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Als wir über Ostern in Burgund waren, hatte die derzeit in der 2. Liga spielende AJ Auxerre (Association de la Jeunesse Auxerroise) gerade das Halbfinale der Coupe de France gewonnen, mit 1:0 gegen Guingamp. Der 1905 von einem katholischen Pfarrer gegründete Verein steht damit zum 6. Mal im französischen Pokalfinale: am 30. Mai gegen Paris St. Germain. Die ganze Stadt war ein blau-weißes Wimpel-Meer:

AJA 2

AJA

Jeder Fußballfan weiß, daß die AJ Auxerre untrennbar mit dem Namen Guy Roux verbunden ist, der den Verein jahrzehntelang trainiert hat. Aber ausgerechnet das städtische Fremdenverkehrsamt vermag nicht zu entscheiden, wie lange diese Ewigkeit tatsächlich dauerte. In ein und demselben Heft (“Geheimnisse von Auxerre”)

secrets 1

sind es einmal (S. 11) 30 Jahre:

30 ans

ein andermal (S. 7) deren 40

40 ans

Neugierige erfahren bei Wikipedia, daß Guy Roux den Verein von 1961 bis 2005 trainiert hat – unterbrochen nur von seinem Militärdienst 1962-64 in Trier und einer Auszeit 2000/01 – und ihn dabei von der Verbands- in die 1. Liga geführt hat.  http://de.wikipedia.org/wiki/Guy_Roux_%28Fu%C3%9Fballtrainer%29

Nachrichtenwert

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Gestern lautete die Schlagzeile: “Gänswein: Benedikt bereitet sich auf den Tod vor”.

Ich dachte natürlich, er liege im Sterben, aber im Text hieß es dann: “Der emeritierte Papst Benedikt bereitet sich nach den Worten seines Privatsekretärs auf den Tod vor. «Es ist klar, dass ein Mann, der in Kürze 88 Jahre alt wird, darüber nachdenkt», sagte Erzbischof Georg Gänswein dem italienischen Sender Retequattro in einem Interview, das am Dienstagabend ausgestrahlt wurde.”

Ja, das ist klar. Der Nachrichtenwert dieser Nachricht war gleich null.

laufender Schulbus

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Die Katzen gefallen und bringen Publikum, aber wir betreiben ja ein Sprachblog und kehren nach den Feiertagen nun wieder zu den mehr oder weniger kuriosen Sprachphänomenen des Alltags zurück.

Hier ein Ausschnitt aus dem Leben von Kindergartenkindern und Grundschülerinnen und -schülern im burgundischen Städtchen Autun:

piedibus

Wie das Bild suggeriert, kommt hier kein fahrender Schulbus vorbei, sondern die Kinder gehen, begleitet von einem Erwachsenen, zu Fuß in einer von Station zu Station immer größer werdenden Gruppe zur Schule.

Wenn man nun nach “piedibus” in Verbindung mit Autun googelt, findet man nur Texte, in denen von einem pédibus (ohne i) die Rede ist. Das ist insofern interessant, als piedibus etymologisch eindeutig auf das französische à pied (zu Fuß) verweist, das seinerseits wiederum vom lateinischen pes, pedis (der Fuß) abgeleitet wird (siehe: die Pedale beim Rad), während pédibus nicht nur an pédestre (Fuß-, Fußgänger), sondern auch an pédagogie (Pädagogik) denken läßt, das allerdings aus dem Griechischen kommt, wo παῖς/pais “Kind” bedeutet. Der Pädiater (frz. pédiatre) ist kein Fuß-, sondern ein Kinderarzt.

So vermag also der pédibus, was dem piedibus zumindest sprachlich nicht gelingt: die Kinder und das Zu-Fuß-Gehen im laufenden Schulbus zu vereinen.

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