Bish

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Mal ehrlich: Wer, der Bachs Musik nicht kennt oder nicht mag, läßt sich von einer solchen Werbung überreden und kommt dann doch ins Konzert?

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Muß man dem Kantatentitel eine solche Gewalt antun und die Wörter ohne Not auseinanderreißen, so daß man es kaum lesen kann? Getrenntschreibung ohne Beachtung der Silben hier, Kleinschreibung da – wird Bachs Musik damit moderner, als sie es ohnehin ist? Die schweizerische J. S. Bach-Stiftung meint offenbar: ja.

Vor gut zwei Jahren habe ich das Phänomen der Getrenntschreibung bei Bach und bei Rembrandt beobachtet:
https://textundsinn.wordpress.com/2015/11/29/bach-marathon/
https://textundsinn.wordpress.com/2015/12/04/rem/

Interessant, daß man glaubt, alte und im Vergleich zu mittelmäßigen Zeitgenossen wahrhaftig weltweit berühmte Meister so bewerben zu müssen. Bach und Rembrandt haben eine solche Werbung gewiß nicht nötig. Die Werbung wirkt eher so, als wollten sich die Werbenden vom Ruhm der Beworbenen parasitär ein Stück abschneiden.

 

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Abstieg

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Ich erinnere mich noch an den ersten Abstieg des 1. FC Kaiserslautern – 1996 – aus der 1. in die 2. Liga. Ich trug ein rotes Minikleid und Pavel Kuka brachte die Lauterer in Führung, aber Leverkusen spielte unfair und nach dem Einwurf zum eigenen Mann erzielte Markus Münch den Ausgleich, der für Lautern das Aus bedeutete. Eine Fernsehdokumentation des Südwestfunks war mit dem Lied Brothers in Arms von Dire Straits unterlegt, und jedesmal, wenn ich dieses Lied höre, denke ich an diesen Abstieg.

Aber auch an den sofortigen Wiederaufstieg ein Jahr später, der 1998 mit dem Gewinn der Meisterschaft gekrönt wurde.  Wenn mir nicht alle Verwandten und Freunde abgeraten hätten, hätte ich meinen 1998 geborenen Sohn Otto genannt.

2012 ist der 1. FC Kaiserslautern zum dritten Mal aus der 1. in die 2. Bundesliga abgestiegen. Damals wurde dieses Plakat eines 11jährigen für den Deutschen Fußball-Kulturpreis nominiert.

Seit der 2:3-Niederlage bei Arminia Bielefeld heute abend steht fest, daß der 1. FCK nun erstmals in die 3. Liga absteigt.

Ein passendes zeitgenössisches Lied dafür muß noch komponiert werden … Back to black von Amy Winehouse wäre fast ein Kandidat. Zum Glück gibt es Bach

 

 

Scrabble à la Shanghai

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Wir wollten Scrabble in englisch spielen, und wer Scrabble kennt, weiß, daß das mit dem deutschen Spiel nicht gut funktioniert, weil es sowohl bei der Häufigkeit der Buchstaben als auch bei deren Wert erhebliche Abweichungen gibt. Wer mehr dazu wissen möchte, kann sich bei Wikipedia schlau machen.

Weil wir ein Spielfeld besitzen und dieses für alle Sprachen identisch ist, war es am einfachsten und am günstigsten, nur die Buchstaben zu kaufen. Bei ebay bin ich fündig geworden. Unter dem Titel „100 pcs Wood Scrabble Tiles Letter Alphabet Scrabbles Number English Word Set Pop“ wurden die Buchstaben dort aus Schanghai für 2,68 GBP (rund 3 €) angeboten – bei kostenlosem Versand. Hier eines der Vorschaubilder:

scrabble englishDa kann man nichts falsch machen, dachte ich, und wenige Tage später war das Säckchen mit den Buchstaben schon da.

Voll Freude beginnen wir das Spiel, aber was soll ich sagen? Ich ziehe 3 x J und 3 x Q, aber keine Vokale. Beim vierten Mal ein O, beim siebten ein A, aber insgesamt wird es nicht besser; ich kann jedenfalls keine Wörter bilden. Als wir den schlimmen Verdacht nicht länger unterdrücken können und die Buchstaben schließlich ausbreiten, ergibt sich folgendes Bild:

scrabble

Alle Buchstaben kommen ausnahmslos drei bis fünf Mal vor; Joker gibt es keine. Scrabble kann man so jedenfalls nicht spielen – weder deutsch noch englisch noch französisch.

Auf meine Beschwerde beim Anbieter bekomme ich die Antwort: „We check that the letters are randomly send (sic!) by our supplier and our manager is relisting the ad. We would like to refund you 1 GBP and hope this issue will not affect our relationship and please don’t leave us bad feedback, and is this OK for you?“

In der aktualisierten Anzeige steht jetzt:
„100x wooden letters (Letters are RANDOMLY send)“.
Eine Warnung, die dem Titel Hohn spricht. Aber immerhin eine Warnung.

Wenn die Vokale gegenüber den Konsonanten derart ins Hintertreffen geraten, ist zu bezweifeln, daß man mit den zugesandten Buchstaben überhaupt in irgendeiner Sprache scrabbeln kann. Mit English Scrabble hat die zufällige Verteilung der Buchstaben jedenfalls nichts zu tun.

Glücklich ist, wer einen Ofen hat, in dem er die hölzernen Täfelchen verbrennen kann.

was bleibt

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Anläßlich des 333. Geburtstages von Johann Sebastian Bach weise ich auf ein Konzert hin, das Berlinerinnen, Berliner und Gäste dieser Stadt am Karfreitag nicht verpassen sollten:

Johannespassion

Ausführende:
Barbara Berg (Sopran), Susanne Langner (Alt), Volker Arndt (Tenor), Jörg Gottschick (Baß), David Stingl (Baß, Christus), Bach-Chor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Bach-Collegium

Leitung: Achim Zimmermann

Es gibt noch ein paar Restkarten …

Heinzelmännchen

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Mit Blick auf das drohende Ende der Saison bin ich am Mittwoch morgen zum Schlittschuhlaufen ins Erika-Heß-Eisstadion geradelt. In der Fennstraße, auf der Höhe des Parkhauses für die Bayer-Mitarbeiter, hatte ich einen Platten und mußte den Rest des Weges (rund 1 km) schieben. Das war an sich nicht tragisch, aber ich hatte am späten Vormittag noch einen Termin am Gendarmenmarkt, wollte abends zum Sport, dann nach Hause, am nächsten Tag brauchte ich das Fahrrad natürlich auch … So ein Platten erwischt einen ja immer im falschesten Moment und bedeutet immer einen kleinen Weltuntergang, weil er die Tages- und Wochenplanung vollkommen durcheinanderbringt.

Vorläufig wollte ich das alles aber vergessen, schob mein Rad in den Ständer, packte meine Schlittschuhe und ging an einer Gruppe halbwüchsiger Jungs vorbei ins Stadion.

Als ich eine gute Stunde später wieder herauskam, um mich der traurigen Realität zu stellen, traute ich meinen Augen nicht: Der Hinterreifen war nicht mehr platt, sondern prall mit Luft gefüllt, das Rad in Ordnung und fahrtüchtig, als wäre nichts gewesen. Wie auf Wolke 7 bin ich davongeschwebt; sogar der an Häßlich- und Trostlosigkeit kaum zu überbietende Anblick des Neubaus für den Bundesnachrichtendienst an der Chausseestraße konnte meinem Glücksgefühl nichts anhaben.

Ich träume ja seit Jahren davon, daß jemand die Marktlücke eines mobilen Fahrradreparaturservices entdeckt und für die auf den Straßen der Hauptstadt einer Panne zum Opfer fallenden Radelnden nutzbringend besetzt (nach dem Motto: bei Panne Anruf, und 30 Minuten später ist alles wieder ok). Gegen Geld, natürlich. Bei mir waren – ein einziges Mal – die Heinzelmännchen am Werk, aber auf die ist im Zweifelsfall kein Verlaß.

positives Zeichen

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Zum Karnevalsumzug in Cottbus war heute in zahlreichen online-Printmedien (Süddeutsche, Welt, Focus, etc.) der gleiche Text der Deutschen Presse-Agentur zu lesen: 

Cottbus (dpa/bb) – Ostdeutschlands wohl größter Karnevalsumzug zieht heute durch die Innenstadt von Cottbus. Wie in den Vorjahren werden zwischen 70 000 und 80 000 Besucher erwartet. Mehr als 3000 Aktive der vielen Karnevalsgruppen bilden den riesigen Tross. Es ist die 27. Ausgabe des Zuges der fröhlichen Leute. Zuletzt hatte die Stadt wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen viele negative Schlagzeilen gemacht. Der austragende Karnevalsverein will mit dem Umzug umso mehr ein positives Zeichen setzen.
Schluß. Ende der Meldung. Der geneigte Leser erfährt zwar, daß, nicht aber, wofür ein positives Zeichen gesetzt werden soll. Für die Cottbuser? Als Plädoyer für deren naturwüchsige Fröhlichkeit? Dafür, daß sie, wenn man sie in Ruhe läßt und nicht mit Flüchtlingen behelligt, fröhlich und umgänglich sind?
Im Inforadio hieß es eben, beim Karnevalsumzug hätte es einen Zwischenfall mit Rechtsextremen gegeben, die die Grenze von politischer Satire überschritten hätten. Ganz offenbar sind sie im Umzug mitgelaufen. Sicher wollten sie auch ein positives Zeichen setzen.

What Belongs to You

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In einem Monat ist es so weit: Am Internationalen Frauentag wird Garth Greenwell in der Berliner Autorenbuchhandlung aus seinem wunderbaren Buch What Belongs to You lesen, Samuel Finzi wird aus der deutschen Übersetzung von Daniel Schreiber lesen, und ich werde dabeisein und zuhören. Ich habe schon eine Eintrittskarte:

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Das Besondere an diesem Buch ist seine überwältigende Humanität. Es öffnet den Blick für das, was Menschen angetan wird, die in dem Land, in dem sie leben und von den Personen, die sie lieben, nicht akzeptiert werden, es zeigt, wie ihr Leben durch diese Ablehnung für immer verwundet, ja zerstört werden kann, weil sie sich wertlos und unwürdig fühlen, wie sie sich für sich selbst schämen und sich daher auch nicht an andere verschenken können. Es ist so leicht, andere zu verletzen, und wer denkt schon an die Folgen?

Leider unterschlägt der deutsche Titel die Trennung, die im Originaltitel vorweggenommen wird: „What belongs to you“ fragt man, wenn man sich trennt, wenn eine Gemeinschaft aufgelöst und das Eigentum aufgeteilt wird. Das betrifft zunächst die materiellen Dinge, ist aber auch eine Metapher für die jeweilige Sicht auf das gemeinsam Erlebte. Und schließlich bedeutet es auch, daß man den anderen bei einer Trennung sich selbst und seinem Schicksal überläßt, daß man aufhört, sich um ihn zu kümmern, daß man ihn aufgibt, weil er nicht mehr zu einem gehört.

Das sind ganz universelle Geschichten, die überall und jederzeit passieren. Spannend und schön ist, daß die großen Themen der Literatur – Liebe und Tod – hier vollgültig an einer schwulen Beziehung aufgezeigt werden.

 

Friederike

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Friederike hat mich am Freitag in Nordrhein-Westfalen erwischt und um ein paar Erkenntnisse und Erfahrungen reicher gemacht.

  1. Die Bahn hält bei Unwettern, bei denen mit Schäden und daher mit Beeinträchtigungen im Bahnverkehr zu rechnen ist, Reparaturtrupps bereit. „Auch für Schäden ist bereits vorgesorgt: ‚Reparaturtrupps und -fahrzeuge stehen an mehreren Standorten bundesweit bereit, um möglichst schnell Sturmschäden an Oberleitungen zu beseitigen und umgestürzte Bäume aus Gleisen zu entfernen’“, wird hier und anderswo ein Bahnsprecher zitiert. Interessant ist weniger das Phänomen an sich (wer würde nicht vermuten, daß es Reparaturtrupps gibt?, ja, von einem professionellen Unternehmen wird man das mit gutem Grund erwarten dürfen), sondern daß die Bahn es für wichtig hält, das zu einer Meldung zu machen. Eine Bahn ohne Reparaturtrupps? Das würde doch niemand ernsthaft für möglich halten. Daß es aber eigens vermeldet wird, suggeriert, daß es entweder für die Bahn tatsächlich nicht selbstverständlich ist, oder daß die Bahn vermutet, daß die Leute denken, es sei nicht selbstverständlich. Müßte man näher interpretieren …
  2. Als ich mich abends über das Sturmtief erkundigen wollte, bin ich im Internet direkt beim ersten Treffer auf einen Twitter-Text von Christian Lindner gestoßen: „Beunruhigende Bilder aus . Passt auf Euch auf. CL Wo kommen wir denn da hin? Daß Christian Lindner persönlich betroffen und beunruhigt ist, mag ja sein, aber warum dieses paternalistische Gehabe in den sozialen Medien? Ich muß mir doch nicht von einem dahergelaufenen FDP-ler, dessen Partei nicht einmal mitregiert, sagen lassen, wann ich auf mich aufpassen soll. Und dann das Duzen. Als würde er sich an eine Kinderschar wenden. Wen spricht Herr Lindner überhaupt an? Wahrscheinlich seine jugendlichen und junggebliebenen Wähler in NRW. Aber auch die brauchen ihn nicht, um zu wissen, daß sie bei einem Sturm auf sich aufpassen müssen; es ist ein vollkommen übergriffiger Satz, den niemand braucht, der niemandem nützt und der niemanden schützt. Kostenloses und vollkommen überflüssiges Blablabla, mehr nicht.
  3. Ich hatte das große Glück, in Dortmund mit dem Auto abgeholt zu werden, nachdem der Zugverkehr (mehr oder weniger ohne Not) vollständig zum Erliegen gekommen war. Wir hatten zwei Fremden eine Mitreisegelegenheit angeboten, die gerne akzeptiert wurde. Eine der beiden trauerte lautstark über ein paar gefallene Bäume am Straßenrand, während sie gleichzeitig ununterbrochen auf ihrem Smartphone zugange war, um den für sie bestmöglichen Fluchtweg aus dieser Naturkatastrophe so bequem wie möglich (und das hieß: unter Verwendung größtmöglicher Ressourcen) zu organisieren.
  4. Bei der Rückfahrt gestern stand ich ungefähr zwei Stunden auf Gleis 3 in Schwerte. Der Zug, der um 13:33 nach Hamm fahren sollte, fuhr nicht, und als ich mich nach einer Alternative erkundigen wollte, stellte ich fest, daß das Reisezentrum samstags um 13:30 schließt. Egal ob Krise oder nicht. Natürlich kein Bahnbeamter weit und breit. Das hieß also: warten. Es sollte ein Zug um 14:08 nach Hamm fahren, der mit einer Verspätung von 20 Minuten angekündigt war. Dieser Zug stand dann auch eine ganze Weile auf der Anzeigentafel, kam aber nicht, und plötzlich verschwand er vom Schirm und ward nimmer gesehen. Statt dessen wurde ein wiederum ausfallender Zug von 14:33 angezeigt, und später ein Zug um 15:08, der mit einer voraussichtlichen Verspätung von 15 Minuten angekündigt wurde. Gegen 14:55 kam der planmäßig für 14:08 angekündigte Zug dann doch, allerdings vollkommen unangekündigt und ohne Ansage im Bahnhof, als ich gerade einen Kaffee holen war. Nicht nur ich habe diesen Zug verpaßt … Glücklicherweise kam der für 15:08 angekündigte Zug um 15:28, daher habe ich in Hamm – immerhin – den Zug um 16:11 bekommen und kam schließlich mit 2 1/4 Stunden Verspätung in Berlin an. Es gibt viel Schlimmeres. Aber ich ärgere mich trotzdem, daß die Bahn solche Probleme nicht besser in den Griff bekommt und daß es ihr vor allem nicht gelingt, die Reisenden ordentlich zu informieren.

Dinner for one

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Jedes Jahr lache ich mich kringelig, wenn Butler James den besorgten Gästen Wein und Champagner nachschenkt und dann das Blumenwasser aus der Vase trinkt.

Mit seinem neuesten Plakat nimmt das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt auf diesen Silvester-Sketch Bezug:

dinner for one

Im Vorbeiradeln habe ich das Tigerfell allerdings gar nicht als solches erkannt und gemeint, dort läge eine Tierleiche. Super, habe ich gedacht, die evangelische Kirche ist richtig progressiv und macht jetzt sogar Werbung für Vegetarismus. Recht hat sie ja. Wenn die Menschen sich vorwiegend von Pflanzen ernährten, könnten alle Menschen auf der ganzen Welt problemlos satt werden. Tatsächlich werden 30 bis 50 Prozent des weltweit angebauten Getreides an Tiere verfüttert, und man braucht im Mittel zehn Kilo Getreide, um ein Kilo Fleisch zu erhalten. Ganz abgesehen von der Tierquälerei, die in der Massentierhaltung gang und gäbe ist. Im Vergleich zum Aufruf auf den Verzicht auf Silvesterböller, die einmal pro Jahr gezündet werden, wäre der Aufruf zur Änderung der Eßgewohnheiten eine wesentlich provokantere Botschaft gewesen.

Zum Weiterlesen:

http://www.bmub.bund.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen-tourismus/produkte-und-konsum/produktbereiche/konsum-und-ernaehrung/

http://www.institut-fuer-welternaehrung.org/weltwissen/faqs-fragen-antworten/

http://www.nationalgeographic.de/umwelt/serie-der-5-punkte-plan-zur-ernaehrung-der-welt