wieder was gelernt

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Gestern sind die Besucherzahlen meines Blogs unverhältnismäßig in die Höhe geschnellt. Es waren allesamt Leute (oder soll ich sagen: Menschen?) auf der Suche nach Beiträgen über Katzen im Advent bzw. Katzen mit Adventskranz. Ich lerne daraus, daß Katzen im Advent deutlich interessanter sind als Rechtschreib- und Grammatikfehler oder sprachliche Kuriositäten, und weil ich schnell lerne, gibt es hier gleich neue Photos.

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Für Luis war es der erste 1. Advent. Er hat auch etwas gelernt – nämlich daß man es tunlichst vermeiden sollte, gegen brennende Kerzen zu kämpfen.

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Aber er gibt nicht so schnell auf und ist außerdem neugierig und wahnsinnig verspielt – ich freue mich schon auf seine Begegnung mit dem Tannenbaum!

von Natur aus vegan

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Bei Alnatura liegt gerade ein kleines Heftchen aus – „Inspirationen für Ihre Weihnachtsbäckerei“ heißt es.

Hier die Mini-Stollen im Glas:

vegan

Ich möchte gar nicht widersprechen: Dinkelmehl, Zucker, Salz, Hefe, Chia, Margarine, Rosinen, Mandeln, Orangeat, Zitronat, Vanille, Rapsöl und Puderzucker sind rein pflanzlich und daher vegan. Es wundert mich auch nicht, daß man für veganes Gebäck vegane Zutaten ausgesucht hat (das Gegenteil wäre überraschend, ja verstörend gewesen). Aber was heißt „von Natur aus vegan“?

Bei den Orangensäften der Marke hohes C von Eckes hatten wir gesehen, daß es „von Natur aus“ säurereichere und säureärmere Orangen gibt. Aber bei vegan gibt es kein Mehr oder Weniger – entweder es handelt sich um ein tierisches oder um ein pflanzliches Produkt, so einfach ist das. Die Formulierung „von Natur aus“ bedeutet hier nichts, gibt keine zusätzliche sachliche Information. Rosinen und Mandeln sind vegan, weil sie pflanzlich sind, basta. Natürlich sind sie vegan „von Natur aus“, aber wie sonst sollten sie vegan sein? Es gibt keine Mandeln und Rosinen, die etwa tierisch waren und dann veganisiert wurden. Man kann tierische Produkte nicht nachträglich – künstlich – veganisieren. Was nicht „von Natur aus“ vegan ist, ist nicht vegan. „Von Natur aus vegan“ und „vegan“ bedeuten dasselbe; die Formulierung „von Natur aus vegan“ ist redundant.

Wenn es wirklich um den pflanzlichen Ursprung der Inhaltsstoffe ginge, hätte es vollkommen gereicht, zu schreiben: „Die Zutaten dieses Rezeptes sind vegan“ oder: „Dieses Rezept ist vegan“. Wenn aber – wie hier – die Natur herbeibemüht und das Natürliche extra auf die Fahne geschrieben wird, ist das ein Grund zum Nachdenken. Besonders, wenn man bedenkt, daß es bei Alnatura jede Menge Milchprodukte und jede Menge Fleisch zu kaufen gibt – von Natur aus nicht vegan (aber das schreibt man in diesem Fall „natürlich“ nicht dazu).

 

Lauf der Dinge?

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Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel „Wie soll das ‚Bruderkalb‘ leben? – Der Rieshof packt die Zunkunftsaufgabe an“ aus dem Demeter Journal, Winter 2016

lauf-der-dinge

Der Satz, auf den es mir ankommt: „Für unsere Kunden gehört es zum normalen Lauf der Dinge, dass Tiere gut leben und dann gut sterben, um dem Menschen Fleisch und Wurstwaren zur Verfügung zu stellen“.

Diesen Satz muß man sich Wort für Wort auf der Zunge zergehen lassen. Er ist schon grammatisch ganz falsch, denn Tiere leben und sterben nicht (egal, ob gut oder schlecht), „um“ sich dem Menschen als Ware „zur Verfügung zu stellen“. Wer so formuliert (hier: Andreas Theimann von den Demeter Landbauerzeugnissen), unterstellt dem Tier eine Intention jenseits aller tierischen Instinkte; eine Intention, die seiner Natur (die auf Selbsterhaltung und Arterhaltung zielt) total widerspricht.

Wahrscheinlich entspringt der Satz dem Wunschdenken seines Autors: Wenn das Tier gut leben und sterben würde, und das gewissermaßen zu dem Zweck, dem Menschen als Fleisch und Wurst zur Verfügung zu stehen, müßte der Mensch kein schlechtes Gewissen haben, wenn er es verspeist. Der Bauer müßte dann auch kein schlechtes Gewissen habe, es zu züchten und schließlich zu schlachten.

Der Autor selbst glaubt eigentlich nicht daran. Er kennt seine Tiere und weiß, daß es so, wie es ist, nicht normal ist. Er beruhigt sich mit dem Verweis auf den Kunden, auf den er die Frage nach der Moral abwälzt. Aber anstatt die grausame Wirklichkeit zu benennen, verweist er auf den getrübten Realitätssinn des Kunden, dessen angebliches Verständnis vom „normalen Lauf der Dinge“ gewissermaßen als Entschuldigung für die Tierhaltung und -tötung herhalten muß.

Dabei müßte schon die Rede vom Lauf der „Dinge“ mißtrauisch machen, wenn es um Tiere und Menschen geht.

 

 

 

halbe Wahrheit

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„Christ’s burial place“, „the resting place of Jesus Christ“, „the tomb of Jesus Christ“ – so hieß es unlängst in einer Meldung von National Geographic über archäologische Grabungen in Jerusalem.

„Erstmals seit Jahrhunderten wollen Archäologen die Oberfläche des Felsengrabes in Jerusalem freilegen, in dem Jesus Christus begraben liegen soll“, hat der Focus übersetzt.

„begraben liegen soll“ – da hat der Übersetzer nur das halbe Glaubensbekenntnis in Erinnerung und den wesentlichen Teil vergessen:
„am dritten Tage auferstanden von den Toten“.

Wenn schon, denn schon.

 

Mandelmus – nichts für Alkoholiker?

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Auf der Suche nach einem Rezept für Mandelmus bin ich bei EatSmarter! [Eigenschreibung] eben auf ein solches und darin auf den drolligen Satz gestoßen:

„Um die Mandeln zu Mus weiterverarbeiten zu können, müssen Sie trocken und kalt sein.“

Wer meint, hier sei das Personalpronomen falsch (nämlich groß statt klein) geschrieben, ist nur halb im Recht. Denn der Satz  „Um die Mandeln zu Mus weiterverarbeiten zu können, müssen sie trocken und kalt sein“ wäre auch ganz falsch.

Wir erinnern uns:
„um zu“-Konstruktionen in Finalsätzen funktionieren nur, wenn das Subjekt im Hauptsatz mit dem des Nebensatzes identisch ist. Wer’s nicht glaubt, siehe auch hier bzw. in jeder ordentlichen Grammatik.

Die beiden Subjekte in unserem Beispiel sind aber nicht identisch: Trocken und kalt müssen die Mandeln sein, weiterverarbeiten aber tut der Mensch.

Korrekt muß der Satz lauten: „Damit die Mandeln zu Mus weiterverarbeitet werden können, müssen sie trocken und kalt sein.“

Alternativ wäre möglich: „Um die Mandeln zu Mus weiterzuverarbeiten, müssen Sie sie abkühlen und trocknen lassen.“

Motörbread

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Vor ein paar Tagen hat Vilmoskörte in Wort und Bild auf einen neuen Bäcker in Moabit aufmerksam gemacht: die Domberger Brot-Werk GmbH & Co KG, die in die früheren Räumlichkeiten der Buchkantine eingezogen ist und vor der geplanten Eröffnung Mitte Oktober derzeit im Probebetrieb backt – große Mengen, weil die Ergebnisse im riesigen Ofen sonst nicht verläßlich wären. Von außen ist nicht viel zu erkennen, aber wenn man sich über die Schwelle traut, wird man freundlich empfangen, darf sich alles anschauen, sich unterhalten, bekommt ein halbes Brot zum Probieren mit (das Weizenbrot schmeckt köstlich, auch wenn noch ein bißchen zuviel Seele darin war) und darf sogar den Bäcker in seinem wunderbaren T-Shirt photographieren.

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Ich bin sehr gespannt – vor allem auf Baguette und Croissants! Da leben wir ja sonst in der Wüste.