Vorfahrt geändert

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Damit es nicht zu Verkehrsunfällen kommt, ist klar geregelt, wer Vorfahrt hat, wenn sich Fahrbahnen kreuzen. Anders gesagt: Wenn sich mehrere Fahrzeuge einer Kreuzung oder Einmündung nähern, entscheiden die Vorfahrtsregeln, wer zuerst fahren darf und wer warten muß. Dabei gilt folgende Hierarchie: Polizei > Lichtzeichen (Ampel) > Verkehrszeichen (Vorfahrt-beachten- oder Vorfahrt-gewähren-Schild) > rechts vor links.

An der Berliner Kreuzung Charlotten-/Ecke Behrenstraße bietet sich seit Wochen folgendes Bild:

Charlottenstraße Richtung Süden

Behrenstraße Richtung Osten

Charlottenstraße Richtung Norden

Behrenstraße Richtung Westen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Egal, von wo man sich der Kreuzung nähert, man sieht nur das eigene Schild „Vorfahrt geändert“, und man erfährt weder, wie die Vorfahrtregel einmal war noch inwiefern sie geändert wurde. Das ist also eine totale Null-Information, und nicht nur eine Null-Information, sondern eine verwirrende noch dazu. Im Idealfall (man hat ja keine Zeit zum Nachdenken an einer solchen Kreuzung) kommt man zu dem Schluß: rechts vor links. Zu diesem Schluß käme man aber viel schneller, wenn es überhaupt keine Verkehrszeichen gäbe. Welchen Zweck verfolgen also die Verkehrsschilder?

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dein Land, mein Land, unser Land

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Wir sind heute den ganzen Tag durch Brandenburg geradelt und haben dabei immer wieder solche Plakate gesehen:

 

 

 

 

 

 

 

Dazu muß man sagen, daß in Brandenburgs Bahnen und auf Brandenburgs Straßen außer uns eigentlich nur Türken, Afghanen und Schwarzafrikaner unterwegs waren. Die Brandenburger trauen sich nämlich gar nicht mehr aus ihren Häusern vor lauter Ausländern. Und das Ackerland rechts und links der Straßen war auch ganz eindeutig in deren Besitz – keine Kartoffeln, keine Rüben, keine Äpfel und keine Pflaumen weit und breit – überall nur Datteln, Feigen und Koriander. Also wer da nicht sein Land zurück will und AfD wählt (Stichwort „Wende 2.0“), ist selber schuld an der totalen Überfremdung und Enteignung und überhaupt.

umgehend vernichten

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Wenn ich mir shame on me die Haare mit der Intensiv-Coloration von Garnier Nutrisse färbe, stehe ich am Ende immer ratlos vor dem warnend rot gedruckten Satz „Die Reste sind nicht mehr verwendbar und müssen umgehend vernichtet werden“.

Wie soll ich die Reste denn vernichten? Briefe und Akten kann man vernichten, indem man sie durch Schreddern unlesbar macht oder durch Verbrennen ganz beseitigt. Eine durch Unwetter vernichtete Ernte ist keine Ernte mehr. Ungeziefer und Schädlinge zu vernichten, bedeutet, sie zu töten, und beim Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln sterben die als Unkraut bezeichneten Pflanzen.

Vernichten – darin steckt das Wort nicht: Was vernichtet ist, ist nicht mehr, ist zunichte geworden, zu nichts geworden. Im lateinischen annihilare steckt nihil (nichts), das französische anéantir ist abgeleitet von néant (das Nichts). Andere Sprachen zeigen vergleichbare Wortbildungen.

Aber der Rest meiner Koloration löst sich mitnichten in nichts auf; er existiert weiter, egal, ob ich ihn ins Waschbecken, ins Klo, vom Balkon oder in den Restmüll kippe. Ihn aufzuessen ist auch keine Option.

Interessant auch die Wahl des Namens Nutrisse. nutri(e) heißt nämlich ernährt. Wenn die Reste dessen, was mein Haar angeblich ernährt, unverzüglich vernichtet werden müssen, können sie so gesund nicht sein, sind eher giftig. Vielleicht sollte ich doch zu Henna wechseln …

 

Raum für Übernachtungen

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Heute bekam ich ein Schreiben der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz mit der Einladung, Schloß Gollwitz bei Brandenburg an der Havel für ein Chorwochenende zu buchen. Zuerst dachte ich, das Schloß sei zu klein für uns (die Rede war von 60 Betten in 21 Zimmern), aber beim Blättern im Prospekt wurde ich eines Besseren belehrt:

 

 

 

 

 

 

 

Es muß sich um außerordentlich breite Betten handeln, wenn bis zu 6 Personen darin Platz finden. Ob aber die Chormitglieder damit einverstanden wären, das Bett mit so vielen Mitsängerinnen und/oder Mitsängern zu teilen, ist fraglich. Die meisten sind nicht mehr die jüngsten und die Erinnerung an jugendliche Zeltlager sicher lange verblaßt.

Muttermilch / Menschenmilch

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Nach Rotterdam und London ist die Werbung von Oatly kürzlich auch in Berlin-Moabit angekommen:

oatly

Wenn man darüber und über das Wort Muttermilch nachdenkt, ist es eigentlich ganz logisch, und im Tierreich sind Situationen, in denen Säugetiermütter Babies einer anderen Spezies mitversorgen, äußerst selten. Aus der Literatur fällt mir nur Kater Moses (Moses the Kitten) von James Herriot ein, der nur überlebte, weil er im Schweinestall, in den er wegen der Wärmelampe gebracht worden war, zielsicher den Weg zur Zitze der Sau fand und dabei äußerst plakativ aus der Menge seiner Schweinegeschwister hervorstach (Bild wird nachgeliefert). Aber das ist wirklich die absolute Ausnahme.

Im Regelfall merke: not your mum – not your milk

 

 

erfolgreich – zum dritten

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Vier Jahre später und kein Gramm weiser.

Ich habe meine Mutter in Trier besucht; sie hat kein Internet, aber die Stadtwerke Trier stellen jedem Besucher pro Tag 1 Stunde WLAN zur Verfügung. Wenn die Stunde abgelaufen ist, wird man, ob man will oder nicht, erbarmungslos vom weltweiten Netz getrennt, und man bekommt die Nachricht: „Ihre Verbindung wurde erfolgreich beendet“.

Bei einem Erfolg kommt normalerweise Freude auf. Hier wird man mit diesem Wort einfach nur verarscht.

Smart branding

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Trüge man Scheuklappen, könnte man denken, Edeka meine es ernst mit der Müllvermeidung. Der Umweltexperte der Firma (ein Pandabär) empfiehlt:

„Die natürliche Schale schützt von allein! Verzichten Sie daher bei Ihrem Weihnachtseinkauf [warum nur dann?] auf unnötige Tüten und nehmen Sie Obst und Gemüse einfach lose mit. Vermeiden Sie Abfall und die Umwelt wird es Ihnen danken.“

tüten-müll vermeiden

Smart Branding soll bedeuten, daß Etiketten durch Lasergravur ersetzt werden; so kann man auch Bio-Obst und -Gemüse kennzeichnen, ohne es zu verpacken. 

Nun trägt man aber keine Scheuklappen und sieht die ganze Seite im Werbeprospekt. Und was sieht man? Kartoffeln, „küchenfertig geschält, geviertelt, in Scheiben oder als Sticks geschnitten“ und natürlich in Plastik verpackt

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und Gemüsenudeln aus Süßkartoffeln, Möhren, Zucchini und Butternußkürbis, in Plastikschälchen à 200 oder 250 g verschweißt.

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So macht Edeka es allen recht, und immerhin Tütenmüll wird auch hier vermieden. Vielleicht läßt sich der ein oder andere vom Preis abschrecken: Die Gemüsenudeln aus herkömmlicher Landwirtschaft sind 5-7mal so teuer wie das unverpackte Bio-Gemüse.

erfolgreiche Veganer und höhere Mathematik

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Es gibt total bescheuerte T-Shirts zu kaufen, z. B. solche, auf denen steht: „Hinter jedem erfolgreichen Veganer steht eine enttäuschte Oma“.

Seht selbst:
https://www.google.com/search?client=ubuntu&channel=fs&biw=1280&bih=591&tbm=isch&sa=1&ei=ulmpW5evA6nksAeq_pqoDg&q=%22hinter+jedem+erfolgreichen+veganer+steht+eine+entt%C3%A4uschte+oma%22+shirt&oq=%22hinter+jedem+erfolgreichen+veganer+steht+eine+entt%C3%A4uschte+oma%22+shirt&gs_l=img.12…139174.141538.0.143812.14.14.0.0.0.0.108.1212.13j1.14.0….0…1c.1.64.img..0.0.0….0.SDVM6VQNhGc

Manchmal steht  „erfolgreichem“ (statt „erfolgreichen“), manchmal gibt es zwischen „Veganer“ und „steht“ ein unmotiviertes Komma.  Das ist sehr ärgerlich. Noch blöder ist der Rechenfehler: Jeder Veganer hat nämlich nicht nur eine, sondern zwei Omas, und in der Regel sind beide enttäuscht.

Am meisten aber regt mich das Wort „erfolgreich“ auf: Was ist der Unterschied zwischen einem Veganer und einem erfolgreichen Veganer? Wer Veganer ist, ist per se ein „erfolgreicher Veganer“. Muß man den Erfolg (was für einen Erfolg? Es handelt sich doch nicht um einen Wettbewerb!) so herauskehren? Anders gefragt: Was wäre ein erfolgloser Veganer? Eher kein Veganer, oder?

Siehe schon hier: https://textundsinn.wordpress.com/2013/04/19/erfolg/

 

nicht spezialisiert

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Nächsten Samstag haben wir Abiturtreffen in Trier; zum Mittagessen werden wir ins Weinhaus in der Brückenstraße gehen. Da ich mich seit einiger Zeit vegan ernähre, dachte ich, es sei vielleicht schlau, mal im Internet nachzusehen, was es denn da so gibt. Von 27 Gerichten sind immerhin vier vegetarisch: ein gemischter Salat mit Feta, das „Erbsen-Minz Süppchen“ (Eigenschreibung), die Käsespätzle und die Pilz-Ravioli. Da ein gemischter Salat mit Feta ohne Feta und Käsespätzle ohne Käse nicht gerade verlockend klingen (zumal für 12,80 €), rief ich heute nachmittag an, um mich nach pflanzlichen Optionen zu erkundigen. „Sie meinen vegan?“, fragte die nette Dame am anderen Ende der Leitung. Hoffnung keimte auf. Ja, ich wüßte gern, ob vielleicht die Suppe oder die Ravioli … Nein, die Suppe ist natürlich mit Sahne, und die Ravioli sind mit Eiern. War zu erwarten. Ich schreibe es auch nur aus sprachkritischen Gründen. Weil nämlich die nette Dame auf mein Résumée, dann wäre wohl außer dem Beilagensalat nichts rein Pflanzliches dabei, scheinbar bedauernd zusammenfaßte: „Nein, da sind wir leider nicht spezialisiert drauf“. „nicht spezialisiert drauf“ diesen sicher ganz unbeabsichtigten Euphemismus lasse ich mir seitdem auf meiner geistigen Zunge zergehen.