1 Stück Butternüsse

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Als Fan eßbarer Kürbisse habe ich gestern zugegriffen und zu Hause beim Blick auf das Etikett eine weitere Überraschung erlebt:

Butternuts

Der Butternuß-Kürbis (engl.: butternut squash oder butternut pumpkin) wird in Deutschland – wen wundert’s? – oft Butternut genannt. Warum hier der Plural “Butternuts” steht, ist mir ein Rätsel. Schließlich ist es nur ein Exemplar, was auch auf dem Etikett extra hervorgehoben wird: 1 Stück. Ja, man reibt sich die Augen. Ist es die Möglichkeit? Was soll diese Pseudo-Information?

TomTato

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Nachdem der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg die TomTato (auch Tomatoffel oder Tomoffel) zur Pflanze des Jahres gekürt hat und die Hybride aus den Nachtschattengewächsen Tomate und Kartoffel gestern in der Region in den Verkauf kam, warte ich ungeduldig auf die Züchtung der Basilpinipastato – ich nehme sie auch ohne Binnenmajuskel.

eßbar

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In der gut sortierten Obst- und Gemüseabteilung von Reichelt lagen heute zwischen Spitzkohl und Knollensellerie auch ein paar ansehnliche Butternußkürbisse.

eßbar 2

Waren die Mandarinen vor kurzem noch ideal zum Essen, so sind diese Kürbisse immerhin eßbar. Wie schön: Wir sind nicht umsonst in der Lebensmittelabteilung und nicht bei den Blumen. Wer jetzt noch auf die Idee kommt, sich einen Butternußkürbis als Zierkürbis auf die Anrichte zu legen, ist selber schuld, wenn er dort verfault.

Mythologica I

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Nichts Böses denkend, habe ich Spinat gekauft und erst zu Hause die Verpackung gelesen:

le cru et le cuit

“Roh, gegart oder als Beilage” – wie soll die Beilage denn sein, wenn nicht roh oder gegart? Ein Drittes scheint es nicht zu geben.

Gut, daß wir Lévi-Strauss gelesen haben, denn der wußte es schon vor über 50 Jahren besser: Wir können unsere Nahrung in einem kulinarischen Dreieck verorten, dessen Ecken die Reinform dreier Zustände bilden: roh (unbearbeitet), gekocht (durch kulturelle Bearbeitung transformiert) und verfault (im Zustand der Zersetzung).

Für Interessierte hier der Gedanke im Zusammenhang der transkulturellen Universalien für die Unterscheidung von Natur und Kultur:
“Es läßt sich … nachprüfen, dass die Gé-Mythen vom Ursprung des Feuers, wie die Tupi-Guarani-Mythen über dasselbe Thema, mittels eines doppelten Gegensatzes vorgehen: des Gegensatzes zwischen roh und gekocht einerseits, zwischen frisch und verfault andererseits. Die Achse, welche das Rohe und das Gekochte vereint, ist ein Charakteristikum der Kultur, diejenige, welche das Rohe und das Verfaulte verbindet, ein Charakteristikum der Natur, da das Kochen die kulturelle Transformation des Rohen vollendet, so wie die Fäulnis seine natürliche Transformation ist.“
Claude Lévi-Strauss: Mythologica I. Das Rohe und das Gekochte (frz. Le cru et le cuit, 1964).

Der Verfasser der Gebrauchsanweisung auf der Spinatverpackung hat wahrscheinlich nicht an verfaulten Spinat gedacht. Sonst hätte er sich präziser ausgedrückt.

Zielgruppe gesucht

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Die Frage nach der Zielgruppe einer Werbeanzeige ist manchmal gar nicht leicht zu beantworten. Wenn man beispielsweise über den Slogan der Partnervermittlung Elitepartner (Eigenschreibung mit Binnenmajuskel!) näher nachsinnt, droht man in ein logisches Loch zu fallen:

Elitepartner

“Elitepartner – für Akademiker und Singles mit Niveau”

Worauf bezieht sich das Attribut (“mit Niveau”)? Rein grammatisch sind zwei Lesarten möglich:
1. Das Attribut bezieht sich nur auf das letzte Substantiv.
2. Das Attribut bezieht sich auf beide Substantive.

Wenn man daraus Schlüsse zieht, kommt man zu dem Ergebnis:

Lesart 1: Elitepartner – für Akademiker (ob mit oder ohne Niveau) und Singles mit Niveau.
Das heißt: Singles müssen nicht Akademiker sein, sollten aber Niveau haben, während Akademiker Niveau haben können, aber nicht müssen. Und Akademiker müssen nicht einmal Single sein.

Lesart 2: Elitepartner – für Akademiker mit Niveau und Singles mit Niveau.
Das heißt: Akademiker können verheiratet sein, und Singles müssen keine Akademiker sein – Hauptsache, das Niveau stimmt.

Während also jeder Depp hofft, bei dieser Partnervermittlung akademisch gebildete Singles zu treffen, warten in Wirklichkeit verheiratete Akademiker und nicht-akademisch gebildete Singles darauf, als Elite-Partner entdeckt zu werden.

Kotaufnahme

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Manchmal gerät ein Blog ins Stocken, und dann ist es gut, wenn man reiselustige Freunde hat, die mit offenen Augen durch den Urlaub spazieren und Bilder schicken.

Dieses Schild haben Freunde aus der Oberpfalz in den Osterferien in Norditalien gesichtet und abgelichtet:

Kotaufnahme

Wo, um Himmels willen, sollen die Leute ihre Hunde säubern? Hinter den Ohren? Unter den Pfoten? Am Po? Als Frauchen von zwei Katzen raufe ich mir die Haare und bin froh, daß meine Katzen sich im wesentlichen selbst und ansonsten gegenseitig säubern. Ein Rest Schlaf im Auge ist das Äußerste, was mir zu entfernen gestattet ist – aber auch nur bei ihm; sie ist da ganz konsequent und läßt niemanden an sich heran.

Man beachte noch die Zeichensetzung, die von vorne bis hinten daneben ist, und das schreckliche Wort “Kotaufnahmepflicht”. Die Doppeldeutigkeit des Wortes “Aufnahme” (vgl. z. B. “Notaufnahme”) erinnert mich an eine Phantasie, die ich immer hege, wenn ich oder ein mir schutzbefohlenes Wesen in Hundekacke tritt: daß der Besitzer des Corpus delicti in seinem Wohnzimmer sitzen möge und alle Häufchen, die sein Hund je im öffentlichen Raum hinterlassen hat, um ihn herum dort aufgestapelt sind und nicht mehr verschwinden.

Dem Schreiber des Schildes unterstelle ich ähnliche Phantasien; jedenfalls nehme ich ihm das “liebe” in “liebe Hundebesitzer” nicht ab.

Immerhin schön zu wissen, daß es auch in Norditalien vermutlich Eltern gibt, die für meine Kinder haften.

https://textundsinn.wordpress.com/2015/02/26/ihre-kinder-sind-nicht-ihre-kinder/

 

 

 

 

 

Karfreitag

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Bis vor ein paar Jahren konnte man auch ohne CD- und DVD-Spieler fast den gesamten Karfreitag mit den Bachschen Passionen verbringen. Es fing morgens im Radio an, dann kam eine Passion im Fernsehen, dann wieder eine im Radio, am späten Nachmittag noch einmal eine im Fernsehen, und auch spätabends war meist noch eine Passion zu hören oder zu sehen. Oft gab es Überschneidungen, so daß man sich entscheiden mußte: lieber die Johannespassion im rbb Kulturradio, oder die Matthäuspassion im Bayerischen Fernsehen? Das waren noch Zeiten! In diesem Jahr gibt es im Radio, das ich empfangen kann, zweimal die Johannespassion (15 bis 17 Uhr rbb Kulturradio, 20 bis 22:30 Uhr DLR Kultur). Immerhin! Im Fernsehen herrscht nämlich vollkommene Funkstille. Zwischen Pippi Langstrumpf, Otto, Tim und Struppi, Hänsel und Gretel, Asterix, Tarzan, dem Bullen von Tölz, Ice Age, Titanic, Rosamunde Pilcher, Miss Marple, Heintje, Pfarrer Braun, den Fuggern, Zoogeschichten und Schlafes Bruder ist anscheinend nirgends mehr Platz für ein musikalisches Werk mit Bezug zum religiösen Aspekt dieses Feiertages. Nur auf den MDR (der meines Wissens jedes Jahr eine Matthäuspassion mit den Leipziger Thomanern zeigt) ist Verlaß. Diesmal wird eine Aufzeichnung aus dem Jubiläumsjahr 2012 ausgestrahlt. Sie beginnt um Punkt Mitternacht (am Karsamstag) und dauert bis 2:45 Uhr morgens. Wahrscheinlich geht es den Öffentlich-Rechtlichen nicht um die Einschaltquote. Trotzdem – oder gerade deswegen – wüßte ich gerne, warum man sich nicht um einen zuschauerfreundlicheren Sendeplatz bemüht hat.

nicht darstellbar

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Nachdem das Wort darstellen unlängst mehrfach in der Bedeutung von anbieten zu hören war (“wir können nicht alles darstellen“), wird darstellbar jetzt auch synonym mit machbar verwendet: Was nicht machbar ist (oder nicht machbar scheint), ist angeblich “nicht darstellbar”. Thomas Böhle, der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände VKA, der bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst Verhandlungsführer der Kommunen ist, hat sich heute morgen im Inforadio zur Verdi-Forderung nach 6 % mehr Lohn mit den Worten geäußert: “6 % ist beim besten Willen nicht darstellbar” (Mediathek, 00:01:29). Bei der Verschriftung ist das ist in sind korrigiert worden.

Die Formulierung scheint Herrn Böhle zu gefallen; im Februar hat er sich zum selben Thema derselben Worte bedient (Die Zeit, 18.2.2016). Dabei wären 6 % durchaus darstellbar – in einer Graphik zum Beispiel. Nur gewähren wollen die Arbeitgeber sie nicht, und das wird sprachlich vernebelt und wie eine Naturnotwendigkeit verkauft. Schade, daß dieser Sprachmüll von den Medien eifrig wörtlich zitiert wird. Als wäre das Gesagte nicht auch anders darstellbar.

“Das Schlimme ist: Die Situation wird ja immer schlimmer!” (Th. Böhle, 00:00:44)

frische Tiefkühlpizza

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Tiefkühlpizzen haben ihre Nachteile und ihre Vorzüge, und darüber ließe sich viel sagen. Was sich definitiv nicht sagen läßt, ist, Tiefkühlpizzen seien frisch. Das leuchtet unmittelbar ein. Genau mit diesem Attribut wird Tiefkühlpizza aber beworben.

Auf dem deutschen Markt liefern sich Dr. Oetker und Wagner (Nestlé) einen heißen Kampf. Während Wagners Backfrische die Frische zwar im Namen führt, aber im Slogan (“So knusprig wie frisch gemacht”) zugibt, daß die Pizza nur den Vergleich mit der frischen Variante nicht zu scheuen braucht, hält Dr. Oetker dem die Ofenfrische mit dem Spruch entgegen: “Backt frisch im Ofen auf”.

Ofenfrische

Obwohl “frisch aufbacken” gar nicht geht, das ist ein Widerspruch in sich, eine Contradictio in adiecto; frisch ist ja gewissermaßen das Gegenteil von aufgebacken. Aber Hauptsache, die Leute kaufen es.

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