unbeaufsichtigt

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Die Lektüre der Gebrauchsanweisung und Pflegetipps für meine neue Pfanne hat mich nachdenklich gemacht. Muß ich jetzt jedesmal eine Betreuung organisieren, wenn ich die Küche verlasse?

unbeaufsichtigt

Glücklicherweise ist mir eine einfachere Lösung eingefallen: Ich verstaue die Pfanne einfach im Bad!

rührend

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Asiatische Lebensmittel kommen oft mit drolligen Packungsangaben daher, zumindest, was die deutschen Texte betrifft.

Abgesehen von den üblichen oder erwartbaren Kuriositäten – „Erweichen Sie die Nudeln“ (sie sind sonst zu hartherzig!) – hat mich bei diesen indonesischen Mie-Nudeln der Marke Kuda Menjangan vor allem die Gewichtsangabe erheitert:

Reingewinn

Wer seinen Speisezettel wirklich bereichern möchte, weiß jetzt, zu welchen Nudeln er greifen muß.

 

genaugenommen

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Das Pronomen und Zahlwort alle meint immer: sämtliche, ohne Ausnahme.

Sonntagsöffnung

Wenn man weiß, daß Edeka/Reichelt in Berlin knapp 50 Filialen hat, kann man ausrechnen, daß 5 Filialen rund 10 Prozent ausmachen. Ist diese Größe so vernachlässigbar, daß man sie zunächst unter den Tisch fallen lassen kann? Und wie widersinnig ist es, auf die Ausnahmen von der Sonntagsöffnung, die ja zunächst geleugnet werden, in der Fußnote fett und unterstrichen aufmerksam zu machen?

Übertragen auf den Erdbeben-Beitrag könnte man dann bei einem Unglück auch formulieren: “Alle 50 Passagiere haben den Absturz überlebt. Genaugenommen nicht ganz alle. Nicht überlebt haben NN, OO, PP, QQ und RR.

Hauptsache händisch

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Das hat man davon, wenn man den Klavierauszug im Büro liegengelassen hat, von einer Kopie, die sich glücklicherweise noch zu Hause befindet, die letzte Seite fehlt, und obendrein der Drucker bei PDF-Dokumenten streikt.

BWV 190

Wenigstens kann ich das Ergebnis der Mühe – die letzten Takte der Melodie des Schlußchorals aus der Bach-Kantate Singet dem Herrn ein neues Lied – jetzt nach Kreuzberg Süd-Ost verlinken.

Die Violinschlüssel sind mir übrigens noch nie so mißlungen – daher unten ein paar Extraübungen.

nach dem Erdbeben

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In den letzten Wochen und Monaten waren immer wieder Meldungen wie diese zu lesen und zu hören (1):

  • Bei einem Erdbeben in … gab es mindestens 100 Tote; mindestens 3.000 Menschen sind obdachlos geworden.
  • Bei einem Terroranschlag in … sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen.
  • Beim Absturz einer Maschine der … wurden alle 296 Insassen getötet.

In vielen Nachrichten wird Bezug genommen auf frühere Meldungen (wie 1). Das Wissen über das zuvor Berichtete wird dann vorausgesetzt, und es wird über Ereignisse oder Maßnahmen berichtet, die damit in Beziehung stehen bzw. daraus resultieren (2):

  • Nach dem gestrigen Flugzeugabsturz … ist … nach … gereist.
  • Nach dem Anschlag vom vergangenen Montag wurden fünf Personen vorläufig festgenommen.
  • Nach den Anschlägen … hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen erhöht.
  • Nach der Geiselnahme ist der mutmaßliche Täter geflüchtet.

In letzter Zeit mischen sich aber immer öfter Sätze wie die folgenden in die Nachrichten (3):

  • Nach den Anschlägen in … vom vergangenen Freitag ist die Zahl der Toten auf 83 gestiegen.
  • Nach dem gestrigen Flugzeugabsturz … hat sich die Zahl der Todesopfer auf 275 erhöht.

Sie scheinen demselben Muster zu folgen wie die Sätze unter (2); auch hier wird Bezug genommen auf Ereignisse, über die zuvor schon berichtet worden ist. Die Sätze unter (3) sind aber unsinnig, zumindest verwirrend, weil grammatisch falsch. Warum?

Adverbiale Bestimmungen der Zeit (Temporaladverbiale) beantworten die Frage, wann etwas geschieht oder geschehen ist. Adverb bedeutet: zum Verb gehörend, d. h. adverbiale Bestimmungen beziehen sich auf das Verb des jeweiligen Satzes. Bei den Sätzen unter (2) klar und einleuchtend: Wann ist der Außenminister gereist? – Nach dem Flugzeugabsturz. Wann wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft? – Nach den Anschlägen.

In den Sätzen unter (3) funktioniert das aber nicht. “Nach den Anschlägen” oder “Nach dem Flugzeugabsturz” ist nämlich keine korrekte Antwort auf die Frage, wann sich die Zahl der Opfer erhöht habe. Es sei denn, es hätte auch vor den Anschlägen bzw. vor dem Flugzeugabsturz schon Opfer gegeben, was aber offenkundig nicht der Fall ist, denn die Opfer waren ja gerade Opfer des Anschlags bzw. Absturzes.

Woher der Fehler kommt, ist klar: Es hat einen Anschlag, einen Flugzeugabsturz, ein Erdbeben gegeben, und die Zahl der Toten wird zunächst geschätzt und in den Nachrichten verbreitet. Später werden mehr Tote geborgen. Die Zahl der Opfer muß also korrigiert werden, meistens nach oben. Sie ist aber nicht tatsächlich gestiegen – die Opfer waren ja sofort Opfer. Ich bin sicher, daß in den Redaktionen niemand verschleiern möchte, daß zunächst falsche Zahlen genannt wurden. Es ist ja keine Schande, wenn man nur das berichtet, was man sicher weiß. Eine saubere Formulierung wäre trotzdem zu wünschen, gerade bei solchen Schreckensmeldungen.

 

Kummerbund

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In meinem Regal steht ein 1023 Seiten dickes etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (Kluge, 24. Auflage, 2002), das sich rühmt, “die Entstehungs- und Bedeutungsgeschichte von mehr als 13.000 Wörtern und ins Deutsche eingegangenen Fremdwörtern” zu erklären, und in dem man alle möglichen und unmöglichen Wörter findet. Von richtigen Fremdwörtern wie Bazille, Grenadier, Kompromiß und Philologie bis hin zu ganz unauffälligen, scheinbar harmlosen Wörtern wie Dose, Huld, kennen, Keim, Mitte und Rüssel ist alles dabei.

Alles, außer dem Kummerbund. Zugegeben, das Wort hört sich sehr deutsch und gar nicht erklärungsbedürftig an; wenn man ihn angezogen sieht, leitet man sich schnell her, daß er wohl dazu bestimmt ist, den Kummerspeck zu verbergen. Dieser Gedanke führt aber in die Irre. Das Wort kommt nämlich nicht vom deutschen Kummer, sondern – über ein paar Umwege – aus dem Persischen.

Und zwar so: Im Persischen bedeutet kamar Taille, band ist der Präsensstamm von bastan = binden. Der Name dieser Leibbinde wurde – wann und warum entzieht sich meiner Kenntnis – ins Hindi übernommen. Die eigentlichen Übeltäter sind aber die Engländer. Weil ihnen in Indien zu heiß war, haben sie nämlich auf die traditionelle Weste als Übergang zwischen Smokinghose und Smokinghemd verzichtet und sich statt dessen – Hosenbund und Hosenknopf mußten ja verborgen werden – bei den indischen Würdenträgern die Seidenschärpe abgeguckt. Und deren Bezeichnung gleich mit, die sie in ihrer Sprache cummerbund schrieben. Vom englischen cummerbund zum deutschen Kummerbund war es dann nur noch ein kurzer Weg.

Mit ein paar Klicks findet man den Kummerbund und die Erklärung seiner Herkunft im Netz. Höchste Zeit, daß er es auch ins etymologische Wörterbuch schafft!

Leider gehört der Kummerbund – anders als Strumpfhose, Winterjacke und Regenponcho – zu den vom Aussterben bedrohten Kleidungsstücken. Er fiel mir spontan ein, als ich mir Gedanken machte im Zusammenhang mit Wortmischers Projekt Kleider machen Leute. Wenn ich das Wort Kummerbund höre oder lese, denke ich immer an meinen ersten Chor und unseren Dirigenten, der bei jedem Konzert eine solche Leibbinde trug, die ihm tatsächlich eine gewisse Aura verlieh und ihn gewissermaßen erst richtig zum Dirigenten machte.

Regenponcho

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Mit Text hat der Regenponcho eigentlich nichts zu tun, mit Sinn schon eher, und da der Buchstabe R im Kleider-machen-Leute-Projekt eines Wortmischers aus unerfindlichen Gründen noch frei war, dachte ich, ich könnte eine Ehrenrettung des besagten Regenponchos versuchen.

Ich fahre seit Jahren Rad, fast täglich, rund 4.000 km im Jahr, und das seit mehr als 20 Jahren in Berlin, aber meinen ersten Regenponcho für Radfahrer habe ich mir erst letztes Jahr gekauft. Und sofort ist er zu meinem Lieblings-Kleidungsstück geworden. Nicht, daß ich ihn gerne trüge. Aber ich trage ihn. Oft. Viel zu oft. Denn seit ich ihn habe, regnet es immer dann, wenn ich gerade Rad fahren muß. Bevor ich ihn hatte, habe ich entweder gewartet, bis der Regen aufhörte (das konnte lange dauern, und ich will nicht wissen, was ich dadurch verpaßt habe), oder ich habe meine normale (d. h. nach spätestens 3 Minuten regendurchlässige) Regenjacke und meine normale (d. h. spätestens nach 30 Sekunden regendurchlässige, dabei vollkommen unförmige) Regenhose angezogen und Kleidung zum Wechseln in einer Plastiktüte in den Rucksack gepackt. Wenn ich dann da ankam, wo ich hinwollte, mußte ich mich, triefend vor Nässe, erst in die Sanitärräume begeben, um mich umzuziehen, und dann stellte sich immer die Frage: Wohin jetzt mit den nassen Sachen? Außerdem habe ich in der normalen Regenjacke immer fürchterlich geschwitzt. Man mußte sie nämlich gut zumachen, sonst wäre man schon nach 10 Sekunden pitschnaß gewesen. So war man es 5 Minuten später von innen.

Nicht so mit dem Regenponcho. Der Regenponcho bleibt im Gegenteil nach unten offen. Das sorgt nicht nur für gute Be- und Entlüftung, sondern ist der eigentliche Trick. Denn wenn man den Poncho so faßt, daß die Hände das untere Bündchen am Lenkrad festhalten, bildet er so etwas wie eine Markise, die verhindert, daß sich der von oben herabprasselnde Regen auf den Beinen/dem Rock/der Hose niederläßt und diese näßt. Der Regen sammelt sich statt dessen – richtig! – auf dem Poncho, und bevor sich ganze Pfützen dort ansammeln und womöglich überlaufen, sollte man das Regenwasser bei der nächsten roten Ampel tunlichst auskippen. Dabei muß man darauf achten, genug Abstand zu den Beinen zu halten, sonst geht das ganze nach hinten los …

Ich möchte den Nachteil des Ponchos nicht verschweigen: Wenn man das Bündchen am Lenkrad festhält, um an den Beinen nicht naß zu werden, kann man natürlich kein Handzeichen geben und folglich nicht abbiegen. Wer immer geradeaus fährt, wird daran selbstverständlich keinen Anstoß nehmen.

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