2. Advent

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P1120215.JPGMit Tannenzweigen im Hintergrund erinnert Luis an ein Hirschgeweih … Wenn man den Kühlschrank aufmacht, fällt der Kater runter.

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begnadigt

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Seit George W. Bush die Tradition 1989 eingeführt hat, werden die beiden Truthähne, die der US-Präsident zu Thanksgiving geschenkt bekommt, begnadigt. Donald Trump folgt dieser Tradition. (Was der Präsident statt dessen ißt, wird nicht berichtet. Bratkartoffeln? Ratatouille? Tofuburger? Seitanschnitzel?) Jedenfalls ließ er die beiden Vögel vorläufig in einer Luxussuite im Willard Intercontinental Hotel unterbringen; später kommen sie nach Gobbler’s Rest, eine Truthahn-Pflegestation der Virginia-Tech-Universität.

Seriösen Quellen zufolge werden in den USA allein an Thanksgiving rund 46 Millionen Truthähne verspeist. Das entspricht der Einwohnerzahl von Argentinien oder Kenia. Wie es den meisten dieser Tiere in ihrem kurzen Leben geht, kann man auf der Seite von PETA nachsehen.

Zwei von ihnen wurden nun also begnadigt. Warum eigentlich begnadigt? Gewiß, sie waren zum Tode verurteilt und dürfen jetzt leben, aber hat der Präsident Gnade vor Recht walten lassen? Die Formulierung suggeriert, daß der Tod dieser Tiere die gerechte Bestrafung für ein begangenes Verbrechen gewesen wäre, der sie durch die Gnade des Präsidenten entgehen. Welches Verbrechens haben die Truthähne sich schuldig gemacht?

 

Bruderhahn

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Es regt mich furchtbar auf, wenn selbsternannte Ökos (hier: demeter Journal 04/2017, S. 30) ihren Fleischkonsum schönreden, sich ein gutes Gewissen verschaffen und dabei noch den Anschein erwecken, sie würden den Tieren, die sie essen, einen Gefallen tun. Diese Ökos essen am Sonntag natürlich kein Hähnchen, nicht irgendein Hähnchen jedenfalls, nein: sie essen Bruderhahn-Braten. Die Begründung:

bruderhahn2

Ich finde, daß der Satz „Henne, Hahn und Ei gehören zusammen“ dann und nur dann sinnvoll ist, wenn man an eine Familie von Fasanenartigen denkt, in der Männlein und Weiblein sich paaren und die Henne aus den Eiern Küken ausbrütet, die ihrerseits zu Hähnen oder Hennen heranwachsen.

Hier aber geht es um Hühner, die gehalten werden, um Eier zu legen bzw. um Hühner auszubrüten, die ihrerseits Eier legen. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, daß Hühner auch männliche Küken ausbrüten, und weil diese in der Eierindustrie nicht rentabel sind und sie sich auch nicht zur Masthähnchenzucht eignen, werden sie in der Regel direkt nach der Geburt vergast oder geschreddert. Auf ein neues Legehuhn kommt im Schnitt ein getötetes Hähnchen. Allein in Deutschland sind das rund 40 Millionen Babyhähnchen pro Jahr.

Statt nun zu sagen, wir machen das nicht mehr mit, drehen die oben erwähnten Ökos die Argumentation um, indem sie erklären: Wenn der Mensch Legehühner ausbeutet, um Eier zu verzehren, soll er auch die männlichen Küken ausbeuten, indem er sie zunächst am Leben läßt und erst dann tötet, wenn sie ein paar Monate alt sind und sich zum Verzehr eignen. Aus dem nutzlosen Töten wird so ein nutzbringendes Töten. Weil diese Hähnchen etwas dünner sind als ihre gemästeten Artgenossen und außerdem etwas mehr kosten als Hähnchen aus Massentierhaltung, soll das dann moralisch nicht nur vertretbar, sondern ausgesprochen gut sein. Versprochen werden „Genuß ohne Reue“ und „echtes Tierwohl“.

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Eine dem Tierwohl verpflichtete, tierfreundliche Fleischproduktion ist aber ein Widerspruch in sich; tierfreundlich, artgerecht oder human produziertes Fleisch gibt es nicht.

Das verklärende und verschleiernde Wort Bruderhahn wurde von PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) nicht ohne Grund zum Unwort des Jahres 2016 gekürt. In der Begründung heißt es unter anderem:

Der Begriff „Bruderhahn“ erweckt den Eindruck von Fürsorge und trauter Familienidylle, dabei werden die Brüder der Hennen schon nach wenigen Monaten getötet, während der Verbraucher glaubt, dem „Bruderhahn“ das Leben zu schenken – eine perfide Art der Verbrauchertäuschung. Es existieren sogar Berichte, laut denen die „Bruderhähne“ bereits nach neun Wochen ins Schlachthaus gekarrt werden. Dort werden sie bei vollem Bewusstsein an ihren empfindlichen Füßen aufgehängt und anschließend kopfüber in ein Wasserbad, durch das Strom fließt, getaucht. Die Lebenserwartung eines Huhns liegt normalerweise bei etwa fünf bis neun Jahren.

 

 

wild oder Wurst?

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Auf der Suche nach Photos meines gerade gestohlenen Fahrrades bin ich in meinem Archiv auf ein Bild gestoßen, über das ich mich immer wieder ärgere. Bifi

Man denkt sofort an das Lied von Steppenwolf, Born to be wild. Die fröhliche, wilde Gestalt mit Gitarre, Sonnenbrille und Girlande um den Hals ist aber ein Bifi-Würstchen, und ein Würstchen wird fabriziert, nicht „geboren, um Wurst zu werden“. Wer tatsächlich geboren wird, zeigt die Werbung natürlich nicht, und erst recht wird nicht gezeigt, wie die armen Schweine geboren werden und wie sie leben und sterben, millionenfach, bevor sie zu Wurst und Schnitzel verarbeitet werden.

Meine Lektüretipps zum 1. November:

books

Und hier noch ein Filmtipp: Earthlings, von Shaun Monson, USA 2005.

zweisprachig

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Ein Freund hat mich wieder zum Lachen gebracht, indem er mir das Photo einer Hinweistafel an der Universität Maastricht geschickt hat. „Glücklicherweise steht eine Übersetzung dabei“, hatte der Einsender des Photos an die Genootschap Onze Taal (eine niederländischen Vereinigung für Sprachliebhaber) geschrieben. Ein Kommentator hat ein noch besseres Fundstück in der Stenden Hogeschool Emmen photographiert und treffend auf die Schwierigkeiten mit der niederländischen Variante von Education hingewiesen.

Vorfreude

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Wenn man bedenkt, daß es seit Anfang September Zimtsterne, Dominosteine, Lebkuchen und Schokoladenweihnachtsmänner zu kaufen gibt und wir uns damit schon seit fünf Wochen auf Weihnachten freuen, wenn man ferner – mit Aldi Nord – unterstellt, daß die Vorfreude jetzt steigt, kann man sich gar nicht vorstellen, wie freudetrunken wir in elf Wochen herumlaufen werden, wenn wir Weihnachten tatsächlich feiern. Das wird ein Jauchzen und Fröhlichsein!

Vorfreude1

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Da stört es dann auch keinen großen Geist, daß ein „Winter Sortiment“ angeboten wird, während wir kalendarisch wie meteorologisch nicht einmal in der zweiten Herbsthälfte angekommen sind.

(Ganz am Rande würde mich interessieren, was die Person bekommt, die sich das Schriftdesign einfallen läßt. Wahrscheinlich nicht viel …)

 

 

selber, selber …

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neue deutsche

Es klingt einfach, sieht idyllisch aus und kommt ganz harmlos daher.

Es ist aber perfide, denn mit „neuen Deutschen“ meint die AfD sicher keine Kinder von deutschen Müttern und irgendwelchen Vätern. Nur deutsche Väter sind gute Väter für „neue Deutsche“. Wahrscheinlich würde der ein oder andere hellhäutige katholische Ire, evangelische Schweizer oder auch atheistische Holländer als Vater geduldet. Deren Kindern würde man die halb fremdländische Herkunft ja nicht ansehen, und ein paar gute Europäer kann Deutschland durchaus gebrauchen. Was soll frau aber machen, wenn sie einen dunkelhäutigen Mann liebt? Einen Araber, einen Schwarzen, womöglich muslimischen Glaubens? Ist die Freiheit dieser (deutschen) Frau auch nicht verhandelbar?

Es sieht vielmehr so aus, als wolle die AfD uns vorschreiben, welche Männer wir als Väter unserer Kinder in Betracht ziehen dürfen und welche wir von vornherein ausschließen sollen. Deutsche vs. nicht-deutsche Kinder, werte vs. unwerte Väter (und Mütter, vice versa). Das ist nicht Freiheit; das ist das Gegenteil von Freiheit.

In diesem deutschen Eintopf möchte ich nicht schmoren.

 

Gender

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Vor drei Wochen hat Garth Greenwell, der das wunderbare Buch What Belongs to You geschrieben hat, bei Channel 4 News in einem Interview über LGBT-Rechte gesprochen und zu bedenken gegeben, daß der Kampf trotz mancher Errungenschaften (z. Bsp. der Ehe für alle) längst nicht gewonnen ist.

Daran mußte ich denken, als ich kurz danach in Berlin im Café Morgenrot zur Toilette ging und zwischen diesen Türen wählen konnte:

allgenders

inter

Kurz darauf habe ich in London nach einem Museumsbesuch einen Fragebogen ausgefüllt und zunächst gestutzt, als auf die Frage nach dem Geschlecht eine zweite Frage folgte:

freud-museum

Es ist sicher kein Zufall, daß das der Fragebogen im Freud-Museum war (das ich jedermann aufs beste empfehlen kann).