Der. Punkt.

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Der Punkt und seine Beziehung zum Unbewußten – so hätte ich diesen Beitrag betitelt, wenn das nicht zu lang wäre. Denn darum geht es in all den Fällen, in denen Punkte gesetzt werden nicht nur ohne Not, sondern gegen die Regeln der Zeichensetzung.

Ich zitiere aus Theodor Ickler, Regeltafel für die deutsche Zeichensetzung:
“Der Punkt steht
1. nach selbständigen Sätzen, wenn sie nicht durch Ausrufe- oder Fragezeichen abgeschlossen sind:
Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.
2. nach Abkürzungen, die beim Lesen in den vollen Wortlaut aufgelöst werden:
i. a. (gesprochen im allgemeinen), A. D. (gesprochen Anno Domini); …
3. nach einer Ziffer, um sie als Ordnungszahl zu kennzeichnen:
der 7. April, Karl V.
Inschriften, Anschriften, Buchtitel, Überschriften, Unterschriften … werden im allgemeinen nicht durch einen Punkt abgeschlossen.

http://rechtschreibung.com/Regeltafeln/Regeltafel2ZS.html

Ein Punkt steht aber auch hier:

LOEWE.

und hier:

PENNY.

und hier:

wissenschaffend.

und hier:

Velophil.

und hier:

Eigener Stil. Eigene Cola.

und hier:

VW Das Auto.

und hier:

Nordsee - Die Alternative.

und hier:

Aus Berlin. Für Berlin.

Der Punkt stellt Entschiedenheit zur Schau. Wenn er hinter einem Namen oder hinter einem Zweiwortsatz steht, erinnert er an das alte “Punktum” in der Bedeutung: Schluss! Fertig! Basta! Oder an “Amen”: So soll es sein. Das Gesagte ist definitiv – die Werbebotschaft suggeriert Sachlichkeit, Glaubwürdigkeit und Seriosität. Widerspruch zwecklos.

Ein besonders schönes Beispiel ist dieses:

Wir.Dienen.Deutschland.

So lautet seit Juli 2011 der Slogan der Bundeswehr. Die Wörter “Wir”, “Dienen” und “Deutschland” stehen unverbunden nebeneinander; wenn man sie mit den Punkten dazwischen liest, wird gleichsam jedes Wort zu einem Satz für sich. Dadurch geht der ursprüngliche Sinnzusammenhang verloren – was sicher beabsichtigt ist. Dienen ist nicht in – hier soll die Botschaft wohl ironisch gebrochen werden. Allerdings: So in Stücke zerhackt, schleicht sich der Ausdruck von Strammstehen durch die Hintertür wieder ein.

Deutschland hilft

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“Aktion Deutschland Hilft ist ein Zusammenschluss deutscher Hilfsorganisationen, die im Falle großer Katastrophen und Notsituationen im Ausland gemeinsam schnelle und effektive Hilfe leisten.” http://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/wir-ueber-uns/kurzportrait/

Deutschland hilft

Das Bündnis selbst hätte Hilfe bei der Schreibung des Namens gebrauchen können: Verben, die nicht am Satzanfang stehen, werden kleingeschrieben, auch wenn es um einen guten Zweck geht.

Hoch lebe die Vielfalt!

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Der Reichelt-Prospekt für die kommende Woche scheint kulinarische Abwechslung zu versprechen:

Bolognese

Ich bin schon froh, dass die Sprachreformer ihre “Spagetti” (sprich ital.: “S-padschetti”) nicht haben durchsetzen können. Sonst müssten wir nämlich auch “Bolonjäse” schreiben.

Erfolg

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Noch etwas regt mich auf: der ständige Hinweis auf Erfolg bei den banalsten Dingen. Nach dem Drücken des “Logout”-Knopfes bei der Deutschen Bank liest man: “Vielen Dank für Ihren Besuch. Sie haben sich erfolgreich abgemeldet.” Als ob das eine tolle Leistung gewesen wäre. Oder gibt es einen Unterschied zwischen einer Abmeldung und einer erfolgreichen Abmeldung?

Bei GMX heißt es: “Ihre E-Mail wurde erfolgreich versandt!” oder: “Ihre E-Mail wurde erfolgreich gelöscht”. Ja, was denn sonst? Wenn die Aktion erfolglos gewesen wäre, wären die Mails ja nicht versendet oder gelöscht worden. Was soll der Hinweis auf den Erfolg der Aktion, wenn er dem Informationswert nichts hinzufügt? Beglückwünscht GMX sich selbst? Gehört das Versenden und Löschen von Nachrichten nicht ganz selbstverständlich zu den Leistungen, die man von einem Anbieter von E-Mail-Diensten erwarten darf?

Es ist ein Trauerspiel!

Kleinkinder

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Wo ich hinschaue – ich fühle mich wie ein Idiot.

GMX: “Ihre E-Mail wurde erfolgreich versandt. Was möchten Sie als Nächstes tun?”

Deutsche Bank: “Vielen Dank für Ihren Überweisungsauftrag. Was möchten Sie als Nächstes tun?”

Deutsche Bahn: “Sie haben sich abgemeldet. Können wir noch etwas für Sie tun?”

Ja, nämlich aufhören, diese dämlichen Fragen zu stellen. Ich weiß selbst, was ich wann und wie tun möchte, und ich weiß mir selbst zu helfen. Ich bin kein Kleinkind, das bei allem, was es tut, an der Hand genommen werden muss, und ich will auch nicht so angesprochen werden, als wäre ich eins. Auch diese Fragen empfinde ich als Übergriff.

Bin ich zu empfindlich? Geht das nur mir so?

Passen Sie auf sich auf!

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Ich reagiere allergisch, wenn Leute, die mir vollkommen unbekannt sind, meinen, sich um mich sorgen zu müssen. Das gilt erst recht, wenn es diesen Leuten gar nicht um mich geht und auch nicht um die vielen anderen, die gleichzeitig mit mir angesprochen und umsorgt werden.

Aufgefallen ist mir das zuerst bei der Deutschen Bahn. Da werden nicht die deutschen, wohl aber die englischsprachigen Fahrgäste am Zielbahnhof immer häufiger mit den Worten verabschiedet: “Take care”. Worauf sollen diese Passagiere aufpassen? Doch wohl nicht auf die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante (da würde man “mind the gap” sagen). Auf sich selbst, wahrscheinlich. Aber was interessiert das die Deutsche Bahn? Mit welchem Recht mischt sie sich in das Leben ein, das die Passagiere nach abgeschlossener Bahnfahrt führen? Und wieso sollten die Passagiere auf Ratschläge hören, die ihnen Sprecher der Deutschen Bahn verkünden? Sollen die Passagiere der Bahn gar dafür danken, sie daran erinnert zu haben, auf sich aufzupassen?

Nicht weniger schlimm ist es bei Easyjet. Seit einiger Zeit klingt es nach den Anweisungen, wie man sich im Notfall verhalten soll, jetzt standardmäßig aus den Lautsprechern: “Und nun lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich und genießen Sie den Flug!” Abgesehen davon, dass man sich weder bequem zurücklehnen noch auf Befehl entspannen noch gar den Flug genießen kann – was zum Teufel geht es die Fluggesellschaft an, wie ich während des Flugs sitze und womit ich mich beschäftige? Ich werde doch wohl noch gerade sitzen und lesen, stricken oder arbeiten dürfen.

Ich empfinde diese Botschaften als in höchstem Maße unerwünschte Übergriffe in mein Privatleben.

Hilfsverben

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Hilfsverben sind schön und gut – da, wo sie hingehören. In der Reportage über Nordkorea, die heute im Inforadio lief, sind sie nicht nur überflüssig, sondern vollkommen fehl am Platz.

Dort ging es zunächst um die Frage, “wann das Land in der Lage ist, Sprengköpfe auf Raketen platzieren zu können”. Anschließend hieß es: “Südkorea reagierte auf die Drohung, US-Ziele … mit Raketen angreifen zu wollen”. Beides ist Sprachmüll. In der Lage zu sein, etwas zu tun, ist nämlich gleichbedeutend damit, etwas zu können, und Nordkorea hat sicher nicht mit dem bloßen Willen gedroht.

Korrekt hätte es heißen müssen: “wann das Land in der Lage ist, Sprengköpfe auf Raketen zu platzieren” und “Südkorea reagierte auf die Drohung, US-Ziele … mit Raketen anzugreifen”.

Schade, dass nicht einmal Journalisten ordentlich Deutsch lernen und auch anspruchsvolle Radiosender glauben, ihren Hörern solches Bläh-Deutsch vorsetzen können müssen zu dürfen.

Konditionalsätze

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Konditionalsätze sind Nebensätze, die eine Bedingung (conditio) angeben, die erfüllt sein muss, damit die im Hauptsatz angegebene Folge eintritt. Sie antworten auf die Frage “wann?” oder “unter welcher Bedingung?” und werden meistens mit der Konjunktion “wenn” (“falls”, “sofern”) eingeleitet.

Hier ein paar schöne Beispiele:
Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse.
Wenn der weiße Flieder wieder blüht, sing ich dir mein schönstes Liebeslied.
Wenn das Volk kein Brot hat, soll es Kuchen essen.
Wenn ich ein Vöglein wär und auch zwei Flüglein hätt, flög ich zu dir.

Hier ein paar seltsame Beispiele:

ich bin Jude

Seltsam sind die Beispiele, weil das mit der Bedingung nicht hinhaut. Die abgebildeten Personen behaupten, (genau dann) Muslim, Jude, Migrant, schwarz oder schwul zu sein, wenn man etwas gegen Muslime, Juden, Migranten, Schwarze oder Schwule hat. Umgekehrt bedeutet das: Wenn man nichts gegen Muslime, Juden, Migranten, Schwarze oder Schwule hat, dann sind diese Personen nicht Muslim, Jude, Migrant, schwarz oder schwul. Das soll irritieren und zum Nachdenken über die Vorurteile gegen Minderheiten und über deren Diskriminierung anregen.

Was mir an dieser Werbung gefällt: Sie will zeigen, dass Diskriminierung meistens nicht sachlich begründet ist, sondern mit Vorurteilen verknüpft ist, die man gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen hegt und die von vornherein verhindern, dass man hinter den Vorurteilen den einzelnen Menschen sieht.

Was mir nicht gefällt: Die Personen solidarisieren sich nicht nur mit Minderheiten, sondern sie tun so, als gehörten sie diesen Minderheiten selbst an (“Mein Name ist …, und ich zeige Gesicht”). Wenn Leute, die nicht ausgegrenzt und nicht diskriminiert werden, so etwas tun, dann ist das unwahrhaftig und parasitär.

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