wem gehört die Bahncard?

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Wer über die Webseite der Deutschen Bahn eine Bahn-Fahrkarte für jemand anderen (z. B. ein minderjähriges Kind) kaufen möchte, muß zur Identifizierung der reisenden Person eine Identifizierungskarte angeben. Bei minderjährigen Kindern, die weder über eine EC-Karte noch über eine Kreditkarte verfügen, ist das i.d.R. die Bahncard. Wenn man das entsprechende Feld ausgewählt und die Bahncard-Nummer des Kindes eingegeben hat, muß man bestätigen: “Die hier angegebene Identifikationskarte gehört dem Reisenden persönlich”.

Das ist deshalb verwunderlich, weil auf der Bahncard selbst steht: “Diese Karte ist Eigentum der Deutschen Bahn AG”. Wenn die Karte nämlich Eigentum der Deutschen Bahn ist, gehört sie der Bahn und nicht dem Reisenden – dieser ist dann lediglich Besitzer der Karte.

Besitz und Eigentum sind zwei verschiedene Dinge (s. Bürgerliches Gesetzbuch § 854 ff. und § 903 ff.).

Uckermark

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Auch in der Uckermark steht es mit der deutschen Sprache nicht zum besten. Wobei es durchaus einen Unterschied macht, ob jemand auf eine Mülltonne von Hand “Steropur” schreibt …

Steropor

… oder ob eine Gedenktafel auf einem Grab die Fehler für ewig festhält:

Friedhof Parstein

Wenn Opa Bester (der eigentlich Karl-Heinz hieß) Deutschlehrer war, dreht er sich sicher im Grabe um.

Auch mit der Zeichensetzung hapert es:

Storchennest

Mit ungläubigem Staunen schließlich liest man die Aufschrift auf dieser “kleinen” Wanderkarte:

Kloster Chorin

Weltkatzentag, heute

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“Aimer, ce n’est pas se regarder l’un l’autre, …
“Sich lieben heißt nicht, einander anzuschauen, …

s'aimer, c'est ...

… c’est regarder ensemble dans la même direction.”
… sondern in dieselbe Richtung zu schauen.”

regarder ensemble dans la même direction

(Antoine de Saint-Exupéry)

Wahlpflichtfach

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Die deutsche Sprache zeichnet sich auch dadurch aus, daß man durch das Aneinanderreihen von Wörtern beliebig viele neue Wörter bilden kann. Solcherart zusammengesetzte Wörter nennt man Komposita (Singular: Kompositum). Es gibt wunderschöne Beispiele wie Streichholzschachtel, Roggenvollkornbrötchen und Lindenblütentee.

Es gibt aber auch ausgesprochen unschöne Komposita, von Bürokraten und anderen Kleingeistern erdacht, die an der Aufgabe scheitern, komplexe Sachverhalte in einem Wort zusammenzuzwingen.

So bezeichnet der Begriff “Wahlpflichtfach” in Deutschland ein Schulfach, das man belegen muß, allerdings aus einer Gruppe von Fächern auswählen kann – erst kommt die Pflicht, dann die Wahl; anders gesagt: man ist zur Wahl verpflichtet. In Österreich dagegen sind Wahlpflichtfächer Fächer, die frei gewählt werden können, nach der Wahl aber verbindlich besucht werden müssen – erst die Wahl, dann die Pflicht; anders gesagt: man ist nach der Wahl verpflichtet.

An deutschen Universitäten wiederum gibt es in vielen Disziplinen Pflichtfächer, Wahlpflichtfächer und Wahlfächer. Ob der auf der Seite der Uni Augsburg gefundene Satz “Hat ein Studierender ein Fach ausgewählt, wird es wie ein Pflichtfach behandelt” aber für Wahlpflichtfächer und Wahlfächer oder nur für Wahlpflichtfächer gilt, wird auch im Kontext nicht klar.

Tendenziell sind Vorsicht und Mißtrauen geboten; verheißt doch schon die Kombination “Wahlpflicht”, wenngleich verhüllt, nicht zunächst Freiheit der Wahl, sondern Zwang zur Wahl und Repression im Falle der Verweigerung.

Demeter-Parfum

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Demeter Parfum

Hallo! Ich bin zwar nicht die erste, aber eine der besten Lektorinnen der Welt, und als solche fallen mir an dieser Werbung (gesehen in und photographiert aus der August-Ausgabe von Schrot & Korn) fünf Dinge auf:
1. Warum hat das Parfum der deutschen Firma Demeter einen chinesischen Namen, und warum wirbt man mit einer chinesisch/asiatisch aussehenden Frau?
2. Warum spricht das deutsche Parfum nicht deutsch (oder meinetwegen chinesisch), sondern englisch?
3. Warum steht im englischen Satz (dt.-frz.) “PARFUM” und nicht (engl.) “PERFUME”?
4. Warum fehlt der Bindestrich zwischen “BIO” und “PARFUM”?
5. Warum wählt man diese Art der Pseudo-Kommunikation, bei der der Angesprochene nicht und niemanden ernsthaft zurückgrüßen kann?

schwül vs. schwul

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Es ist unglaublich, aber wahr. Als Schlagwörter für meinen letzten Beitrag habe ich – ich schwöre! – “schwül” und “Schwüle” eingetragen, aber WordPress macht daraus “schwul” und “Schwule” und läßt sich auch durch eine Korrektur nicht vom Gegenteil überzeugen. Auch bei diesem Beitrag wird “schwül” als Schlagwort nicht akzeptiert. Schon wieder Zensur – wie im Januar 2014, als das lateinische Wort “Genus” ungefragt in “Genuß” verwandelt wurde:

http://textundsinn.wordpress.com/2014/01/18/zensur-bei-wordpress/

Text und Sinn, wo sind sie hin? Die rhetorische Frage ist leider viel virulenter, als ich dachte.

schwüle und sonnige Grade

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Im Sommer leide ich weniger unter der feuchten Hitze als unter dem Sprachmüll, den Journalisten quer durch alle Medien daraus machen:

Deutscher Wetterdienst: “Die Luft erwärmt sich auf schwüle 24 Grad im Bergland und auf 29 Grad an Rhein, Neckar und der Tauber.”

wetter.info: “In Vorpommern kann es sogar schwüle 24 Grad warm werden.”

wetter.de: “Höchstwerte wieder schwüle 25 Grad auf Fehmarn [Komma bzw. "und" fehlt] bis 30 Grad an Main und Weser.“

donnerwetter.de: “Die Temperatur steigt auf 15 bis 23 Grad an, südlich des Main [!] werden schwüle 26 Grad erreicht.”

Wetterstudio Eifel: “Schwüle 27 Grad notieren wir in Aachen und Eupen und nahezu heiße 29 Grad im Moseltal.”

wetter.info: “Die Temperaturen erreichen in der Nordhälfte 16 bis 20 Grad, in der Südhälfte 20 bis 24, am Oberrhein bis zu schwüle 27 Grad.”

Merkur: “Schwüle 28 Grad – und schon wieder Regen!”

Südostschweiz: “Drückend schwüle 29 Grad.”

TAZ: “Das Wetter: schwüle 30 Grad.”

NDR: “21 Grad in Nordfriesland und schwüle 31 Grad im südlichen Niedersachsen sowie im Wendland.”

Genauso unsinnig sind die “sonnigen Grade”, die angeblich überall gemessen werden oder die “uns am Wochenende erwarten”.

Merke: Der Grad ist eine Maßeinheit für die Temperaturmessung und kann als solche weder schwül noch sonnig noch frisch sein. 27 Grad sind 27 Grad – basta. Daß es dabei sonnig ist oder schwül wird, muß in eine separate Aussage verpackt werden.

1. FC Kaiserslautern – 1860 München 3:2

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Dem Trainer des FCK wird oft Emotionslosigkeit am Spielfeldrand vorgeworfen. Auch gerade eben wieder, in einem schönen Stück Fußballprosa des Reporters von Sport 1 beim Abpfiff des Spiels 1. FC Kaiserslautern gegen 1860 München, das die Gastgeber nach einem 0:2-Rückstand in Unterzahl noch mit 3:2 gewannen: “Was wir hier sehen, sind Momente der Extase. Aber nicht bei Kosta Runjaic – der guckt wie Null zu Null.”

Roma oder Romma?

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Vorgestern wurde in Oswiecim/Auschwitz an die gewaltsame Auflösung des sogenannten Zigeunerlagers in Auschwitz-Birkenau im August 1944 und zugleich an den Völkermord an Sinti und Roma erinnert. Der Radiosprecher sagte allerdings „Romma“, mit offenem o. Er ist nicht der einzige, der das Wort so ausspricht, und weil mir das jetzt zum wiederholten Male aufgefallen ist, habe ich nachgeschlagen.

Im Duden steht die Lautschrift [ˈroːma], mit geschlossenem o. Beim Singular (Rom) steht allerdings: Lautschrift: [rɔm], auch: [roːm].

Bei Wiktionary steht keine Lautschrift, aber als Reimwort wird „Oma“ [-oːma] genannt.

Der Ausspracheführer Forvo (“All the worlds in the world. Pronounced.”) hat – bisher – nur die Version mit geschlossenem o.

Wie die Roma selbst das Wort aussprechen, weiß ich nicht.

Auf der Internetpräsenz des Mediendienstes Integration (ein Projekt des “Rats für Migration e. V.”, einem bundesweiten Zusammenschluß von Migrationsforschern, der sich für eine differenzierte Debatte über Migration und Integration einsetzt und sich als Recherche-Plattform für Medienschaffende versteht), ist in einem Artikel über Roma in Berlin zu lesen: “Christoph Leucht, Mitarbeiter im ROMED [Mediation for Roma]-Programm für den Europarat, beantwortete Fragen aus dem Redaktionsalltag: Wie zum Beispiel die nach der richtigen Aussprache des Begriffs “Roma”. Muss das “o” lang oder kurz gesprochen werden? Laut Fachmann geht beides.”

Solange das Wort mit nur einem m geschrieben wird, bin ich für die Aussprache mit geschlossenem o, weil sie mit den herkömmlichen Ausspracheregeln übereinstimmt. Ausgenommen sind natürlich die Sprecher zwischen Niederrhein und Weser und um den Main herum, bei denen sich Romma auf Omma reimt (“Schakkeline, tu die Omma ma winken!”).

Ansonsten gilt: Wer “Romma” sagt, will vielleicht nur den Eindruck von Auf-der-Höhe-der-Zeit-Sein und Toleranz erwecken. Meines Erachtens ist dies keine gute Alternative.

Bildenden Künster

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Wer glaubt, über die Google-Suche Stefan Zweigs kurze Texte “über Musiker und bildende Künstler” zu finden, wird leider enttäuscht. Der Grund:

bildende Künstler

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