Aloha

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Mitten im Herbst kann man sich mitten in Berlin so fühlen, als sei man in Hawaii. Ein Gang in den Drogeriemarkt genügt.

Auf der Suche nach einem Haarshampoo für Männer ist mir dieses hier aufgefallen:

hang loose

wobei ich mich – der Jahreszeit angemessen – zuerst verlesen habe: statt “Hang Loose” habe ich “Lange Hose” (“Lang Hoose”) gelesen. Als mir der Fehler auffiel, fragte ich mich, was “hang loose” denn bedeute. Heißt es, daß man sein Haar locker fallenläßt? Um mich und mein Blog nicht zu blamieren, habe ich nachgeschaut und bei Wikipedia folgendes gefunden:

“Das Wort Shaka, begleitet von einer typischen Handhaltung, bei der die geschlossene Faust mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger gehoben wird (siehe Abbildung) ist ein ganz allgemein auf Hawaii und per Übernahme durch die dortigen Surfer unter diesen Sportlern gebräuchliche Geste, die zu verschiedenen Anlässen gebraucht wird und etwa so viel bedeutet wie „Cool!“, „Locker!“, „In Ordnung!“, „Gute Welle“ . Unter Windsurfern ist das Zeichen als Gruß sehr weit verbreitet und wird als “Hang Loose” bezeichnet. Hier hat dieser Gruß jedoch eine ganz reale Anwendung: die abgespreizten Finger stehen für den Trapez-Tampen und die Faust für den Haken des Trapezes, mit welchem sich der Windsurfer einhängt (siehe auch Windsurfen Technik). Dadurch kann der Surfer die Arme entlasten und mit seinem Körpergewicht den Segeldruck des Windes halten, er “hängt” im Segel.”

“Shaka” hatte ich schon öfter gehört, ohne zu wissen, was es bedeutet, und auch das Handzeichen schon gesehen. Manchmal denke ich, ich lebe hinterm Mond. Vielleicht liegt es daran, daß ich nicht surfe, nicht auf Hawaii lebe und nie dort war …

Jedenfalls fiel mir in diesem Zusammenhang ein weiteres Drogeriemarkt-Produkt ein, das ich schon länger verbloggen wollte, weil es m. E. jedes Sinnes entbehrt:

Strandmatte

O-Ton Schwarzkopf-Werbung:
“strand matte surfer look MATT-PASTE
Du willst den Surfer-Style, der die Mädels schwach macht? Wie auch immer du deinen Style trägst – ob zerzaust, zerrauft, zahm oder glatt – Hauptsache matt! Denn die matte Matte trennt den Mann von der Memme. got2b surfer look MATT-PASTE ist eine texturierende Paste mit Matt-Effekt und mittlerem Halt, die dir diesen authentischen Surfer-Style verleiht.
Mach’s matt: Auf trockenem oder feuchtem Haar anwenden. In den Handflächen verteilen und nach Belieben einzelne Partien zerzausen, zwirbeln oder plätten.”

Wenn ich so etwas lese, bin ich total geplättet. “Die matte Matte trennt den Mann von der Memme” – wer so denkt, dem hilft auch kein Lektorat …

Alegría – da kommt Freude auf

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infantil

Oder auch nicht … Auf spanisch ist es ein spanisch-deutscher Kindergarten, auf deutsch ein englischer. Die restlichen Adjektive schweben unverbunden im Raum. Man fragt sich, wie seriös die Sprachen in diesem multilingualen Kindergarten vermittelt werden.

Vorschlag zur Korrektur: ein paar zusätzliche Bindestriche, keine Leerzeichen und konsequente Kleinschreibung.

NB: WordPress redigiert schon wieder! Bei den Schlagwörtern habe ich die Adjektive “deutsch”, “englisch” und “spanisch” – wie es sich gehört – kleingeschrieben. Während “spanisch” bleibt, wird “deutsch” zu “Deutsch” und “englisch” zu “Englisch”. Welcher Teufel reitet hier herum, und wie kann man ihn in die Schranken weisen?

zu früh gefreut

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ruderal ruderale Wiesen

Zuerst dachte ich, es sei ein Rechtschreibfehler und es müsse “rural” (“ländlich”) heißen, was ja nicht ganz abwegig wäre. Beim Recherchieren fand ich aber schnell heraus, daß das Wort “ruderal” tatsächlich existiert. Während “rural” von rus, ruris (Land, Landgut, Feld) kommt, leitet sich “ruderal” von rudus, ruderis (Schutt) ab. So heißt es in Wikipedia zum Stichwort Ruderalvegetation: “Ruderal (von lateinisch rudus ‚Schutt‘) wird die Pflanzenwelt von menschlich tiefgreifend überprägten Standorten genannt, deren Zusammensetzung nicht vom Menschen beabsichtigt wurde, sondern die sich entweder auf ungenutzten bzw. brach gefallenen Flächen von ihm unbeachtet, oder auf devastierten, übernutzten oder vegetationsfrei gehaltenen Böden gegen seinen Willen einstellt.” Wieder was gelernt.

Daß die Leute von Grün Berlin das schon wußten, wundert mich nicht. Dieses Vokabular gehört zu ihrem Beruf. Wohl aber wundert mich, daß sie dieses Wissen bei den “lieben Besucherinnen und Besuchern” des Ostparks am Gleisdreieck voraussetzen.

Als Bahnreisende(r) …

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… erlebt man so manche Überraschung. Wer erlebt / Als wer erlebt man eine Überraschung (gefragt ist der Nominativ)? Der/Die Bahnreisende / Als Bahnreisende(r).

Für mich als weibliche Bahnreisende (für wen? – gefragt ist diesmal der Akkusativ) war es eine Überraschung, in einer Anzeige der RSD Reise Service Deutschland GmbH gleich mehrfach falsch angesprochen zu werden:

Bahnreisender

Losgelöst aus einem ganzen Satz, fällt es vielleicht nicht jedem sofort auf. Aber spätestens, wenn man dies hier liest,

Bahnreisender

zweifelt man, ob nicht der Anbieter der Bahnreisende ist. So oder so ist es grammatisch falsch.

Auch die Anrede (in pseudo-persönlicher Pseudo-Schreibschrift) ist vollkommen daneben, weil hier Singular und Plural durcheinandergehen:

Bahnreisender

Merke: Der mit “als” in den Satz eingebundene Satzteil steht – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht nur im gleichen Numerus, sondern auch im gleichen Kasus wie das Wort, auf das er sich bezieht. Für Sie als Bahnreisende(n) ist das in jedem Fall unmittelbar relevant.

ver-dacht

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Der Ebola-Verdacht in Dordrecht (s. den Beitrag vom 5. Oktober) hat sich nicht bestätigt. Umso mehr fasziniert mich an der Meldung in der Volkskrant das holländische Wort “verdenking”. Beim deutschen Wort “Verdacht” denke ich, obwohl es eigentlich naheliegt, gar nicht an “denken” oder “ver-denken”, aber bei diesem holländischen Wort drängt der Gedanke sich regelrecht auf: ver-denken kann genauso eine Fehlleistung sein wie verhören, verschreiben, verrechnen. Wer sich ver-denkt, denkt falsch.

Im Deutschen dagegen geht man davon aus, daß ein Verdacht bestätigt wird – das Wort hat sich von seinem ursprünglichen Sinn entfernt. Wer im Verdacht steht, seine Schwiegermutter vergiftet zu haben, ist höchstwahrscheinlich der Täter.

möglicher Verdacht

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In der holländischen Zeitung “de Volkskrant” ist unter der Überschrift ‘Mogelijke ebolaverdenking’ in Dordrecht zu lesen: “Een patiënt die onwel werd in het Albert Schweitzer ziekenhuis in Dordrecht, is opgenomen omdat er een ‘mogelijke verdenking’ bestaat dat hij ebolaverschijnselen heeft. Dat lieten woordvoerders van het ziekenhuis en het RIVM zaterdagavond weten.”

Die Zeitung setzt den Sprachmüll der Krankenhaussprecher (es scheinen mehrere zu sein) in Anführungszeichen. Sprachlich sauber wäre es gewesen, von einem Ebola-Verdacht oder von einer möglichen Ebola-Erkrankung zu schreiben und auf die Anführungszeichen zu verzichten.

Auch seltsam: Zu Beginn ist von einem Patienten die Rede, dem im Krankenhaus unwohl wurde (“die onwel werd in het Albert Schweitzer ziekenhuis”) – der Patient muß also schon im Krankenhaus gewesen sein. Danach heißt es aber, der Patient sei wegen des Verdachts auf Ebola aufgenommen worden (“is opgenomen omdat er een ‘mogelijke verdenking’ bestaa”). Weiter hinten wird dieses Rätsel teilweise aufgelöst: Dem Mann sei im ambulanten Notfallzentrum des Krankenhauses schlecht geworden. Man wüßte noch gerne, weswegen er sich dorthin begeben hat. Ganz gesund wird er sich auch vorher nicht gefühlt haben.

nullunddritter Oktober

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03. Oktober

Wahrscheinlich liegt es an den vielen Formularen, die man im Laufe seines Lebens ausfüllen muß. Kaum ein Papier oder papierloser Vordruck im Internet, in dem man Geburts-, Anreise-, Abreise-, Beginn- und Enddatum nicht nach dem Schema TT/MM/JJJJ eingeben muß. Im Netz geht es meist gar nicht anders; wer 1.1.2014 schreibt, bekommt eine Fehlermeldung und die Aufforderung, das Datum korrekt einzutragen. Dabei ist 01.01.2014 nicht korrekt, weil die Zahlen für Tag und Monat Ordnungszahlen sind. Ordnungs- oder Ordinalzahlen, bei denen auf die Ziffer ein Punkt folgt, ermöglichen es, Reihenfolgen zu erstellen: Friedrich I., Friedrich II., Wilhelm III., etc. – hier gibt das Datum die Reihenfolge innerhalb der kalendarischen Ordnung an: am 1., 2., 10., 22., 30. Mai …

Das Argument der Bündigkeit der Schreibung mag bei Listen oder Tabellen einleuchten:

Datum bündig

Aber auch wenn die vorangesetzte Null praktisch ist, weil sie dem Fälschen von Datumsangaben vorbeugt, wird sie dadurch nicht richtig. So, wie es keinen 04. Platz und kein 08. Weltwunder gibt, gibt es auch keinen 09. November, und der Tag der deutschen Einheit wird nicht am 03.10., sondern am 3.10. gefeiert. Die alphanumerische Darstellung des Datums (bestehend aus Zahl und Wort, wie beim 3. Oktober) ist in der DIN 5008 geregelt. Dort heißt es: “einstellige Tagangaben enthalten keine Null vorweg”.

Hier ist es wieder falsch:

05.10.

Und hier ist alles richtig:

8.7. 2.-19.10.

zu verbessern

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zu vermieten

zu vermieten

Das Verb ist hier nicht substantiviert und müßte daher klein geschrieben werden.

Logischer wäre, wenn auf dem Wagen “zu mieten” stünde. Mit der Aufschrift soll ja der Vorbeigehende, einen Mietwagen Suchende angesprochen werden, der diesen Wagen mieten kann, während “zu vermieten” die Perspektive des Besitzers wiedergibt, die niemanden interessiert.

Buchtipp zum Caturday: Falsch ist richtig

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Theodor Ickler: Falsch ist richtig. Ein Leitfaden durch die Abgründe der Schlechtschreibreform, München 2006

Eine Lektüreempfehlung für alle, die sich für die deutsche Sprache und Rechtschreibung interessieren und sich fragen, wie es zu der unsäglichen Reform hat kommen können und wie sie durchgesetzt wurde. Wer danach noch Reformschreibung benutzt, ist selber schuld.

Falsch ist richtig

Dezent im Hintergrund: Minouche.

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