Berlin-Marathon 2014

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Wenn die Zahl der Läuferinnen und Läufer im Tiergarten und an der Spree ins schier Unermeßliche zu wachsen scheint, weiß man trotz Marzipanbroten, Weihnachtsmännern und Spekulatius, daß knapp vor dem Christkind der Marathon vor der Tür steht. Nachdem ich mich im vorletzten und im letzten Jahr mit der seltsamen Verknüpfung von Ordnungszahl und Titelsponsor beschäftigt habe, geht es diesmal um die ganz gewöhnliche Rechtschreibung auf der Anwohner- und Autofahrer-Information.

Marathon Straßen

Die Straße Alt-Moabit ist unterschiedlich geschrieben – und immer falsch: einmal mit Leerzeichen vor und nach dem Bindestrich, zweimal ohne Bindestrich. Bei der Konrad-Adenauer-Straße hat man bei den Leerzeichen ebenfalls nicht aufgepaßt. Der Yorckstraße ist das c abhandengekommen.

Was die Internationalität der Laufveranstaltung betrifft, so ist zu bemerken, daß “Streckenplan” auf französisch nicht itinéaire, sondern itinéraire heißt.

Marathon itinéraire

Ich wundere mich, daß bei einer Massenveranstaltung mit einer so enormen Außenwirkung ein paar Euro am Lektorat gespart werden.

Kinder-Park

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Zu den Wörtern, die im Lauf der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren haben, gehört das Wort Park. Während man heute unter einem Park eine weitläufige Grünfläche mit Bäumen, Sträuchern, Rasen, Wegen und Blumen versteht, bedeutete das mittellateinische Wort parricus nichts anderes als Gehege oder Pferch – eine kleine, überschaubare, von Hürden oder Bretterzäunen eingeschlossene Fläche, auf der Schafe oder anderes Vieh zusammengetrieben wurden. Vom Mittellateinischen fand es seinen Weg über das Französische in die englische und in die deutsche Sprache. So vermerkt das französische Wörterbuch CNRTL unter dem Stichwort parc zunächst: “Parc (à moutons). Clôture légère et transportable servant à enfermer les ovins la nuit en été dans les prés; p.méton., espace ainsi délimité.” Aufmerksam auf dieses Wort wurde ich angesichts dieses Objekts im Musée départemental de l’Ariège in Saint-Lizier (Pyrenäen): parc d'enfant 1 und der Legende: parc d'enfant 2 Man beachte, daß die Maße des Laufstalls weder ein Laufen noch ein Gehen noch auch ein Liegen ermöglichen – es ist tatsächlich eine Art Pferch, in dem ein Kind sitzend oder aufrecht stehend geparkt werden kann.

Bitte einsteigen

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Die Internetpräsenz der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) war bis vor kurzem informativ und übersichtlich. Eine Funktion, die ich sehr oft genutzt habe, war die Fahrplanauskunft. Die Verbindung zum Flughafen Schönefeld beispielsweise ist ja alles andere als regelmäßig, und auch für meinen Sohn, der alle zwei Wochen in den entlegensten Winkeln der Stadt zum Auswärtsspiel antreten muß, hat diese Fahrplanauskunft sich immer bestens bewährt. Der enorme Vorteil war, daß man sich ausgewählte Verbindungen am Stück nicht nur ansehen, sondern auch ausdrucken konnte und damit einen Fahrplan für alle Fälle hatte.

Hier ein Beispiel – wir wollten zur Otto-Piene-Installation in der Neuen Nationalgalerie, Potsdamer Straße 50:

BVG 13.8.2014

Nach der Rückkehr aus den Ferien nun der Schock – die Webseite der BVG wurde vollkommen überarbeitet und ist nun nicht nur unübersichtlich geworden, sondern darüber hinaus auch äußerst benutzerfeindlich. So ist die Möglichkeit, passende Verbindungen auszuwählen, entfallen, und drucken kann man, wenn man den hinter einem siebenzackigen Stern bis zur Unkenntlichkeit versteckten Druckbefehl gefunden hat, nicht einmal alle Verbindungen, sondern nur die ganze Webseite mit allem Drum und Dran (gedruckt ergibt das dann Dutzende von Seiten – nicht gerade umweltfreundlich). Dafür aber wurde jeder Unsinn, den man sich denken kann, eingebaut. Wen interessieren schon die Ticketpreise für eine ausgewählte Verbindung – besonders, wenn sie für eine Strecke gelten und bei allen möglichen Verbindungen gleich sind? Berliner kennen den Preis sowieso, und allen anderen ist es ziemlich egal, ob sie 2,40 oder 2,60 € bezahlen.

Das allerletzte aber ist die Gebrauchsanweisung für die Fahrverbindung. Wer von A über B nach C will, weiß selbst, daß er in A einsteigen und in B umsteigen muß und in C am Ziel ist. Diese absolut überflüssige Information nimmt aber jetzt den halben Bildschirm ein.

BVG 4.9.2014

Das "Bitte" macht die Sache nicht besser, sondern schlechter. Ist man ein Kindergartenkind, das von der BVG an der Hand von einer U-Bahn in die andere geführt werden muß? Warum bittet die BVG mich, etwas zu tun, was ich sowieso tun muß, um zu meinem Ziel zu gelangen? Was geht es die BVG überhaupt an, was ich mache? Von der Webseite eines Dienstleisters erwarte ich Informationen und nicht Übergriffe; in einer Fahrplanauskunft haben Bitten oder Aufforderungen nichts verloren.

Bertrand / Bernard

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Wir sind immer noch in Frankreich – diesmal in den Pyrenäen in Saint-Bertrand-de-Commingues. In diesem mittelalterlichen Dörfchen gibt es eine wunderschöne Kathedrale, Notre-Dame oder Sainte-Marie, deren Bau unter Bischof Bertrand de l’Isle (1083-1123) begonnen wurde und die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

In einer Kapelle erfährt man mehr über die Kirche und ihre Bischöfe. Anscheinend waren Bischöfe, die wie der Kirchengründer Bertrand hießen, im Mittelalter besonders beliebt:

Bertrand de M

Auf den Erläuterungstafeln des Kirchenschatzes hat B. de Miremont (1263-86), dessen Bischofsstab (frz.: crosse) ausgestellt ist, aber einen anderen Vornamen: Bernard.

Bernard de M

Welcher Name ist richtig?

Zuerst dachte ich, der Bischof habe sicher Bernard geheißen und Bertrand sei eine Kontamination. Meine Internet-Recherche belehrte mich eines besseren. In der Liste der Bischöfe von Commingues taucht im 13. Jahrhundert kein Bernard auf. Bertrands dagegen sind zwischen 1263 und 1286 gleich drei vertreten: Bertrand II de Miramont 1263-1286, Bertrand III 1276-? und Bertrand IV (Bertrand de Miremont) 1282-1285.

Wer wird aus diesen Zahlen schlau – und wenn ja, warum?

Architext

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Näxte Etappe: Bordeaux. Dort wird gerade die Kathedrale Saint-André renoviert. Im Innenraum der Kirche geben Zeichnungen über Umfang und Inhalt der Arbeiten Aufschluß. Leider hat sich ein Fehler eingeschlichen – der verantwortliche “architecte en chef des monuments historiques” Michel Goutal wird auf allen Plänen als “architexte” bezeichnet:

architexte 1 architexte 2

Tourismus? Bitte sehr!

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Auch in Saint-Émilion bemüht man sich, englische Gäste in ihrer Muttersprache zu informieren. An der Felsenkirche hängt dieser Innenstadtplan mit immerhin zweisprachigem Standorthinweis:

here you are

Man hätte allerdings besser daran getan, aus dem Französischen Wort für Wort zu übersetzen: “Vous êtes ici” – “You are here”. In der Inversion bedeuten die Worte nämlich etwas ganz anderes. Man sagt “Here you are” im Sinne von “Bitte schön”/”Bitte sehr”, wenn man jemandem etwas überreicht.

Für die Liebhaber von Katzen-Content stelle ich ein zweites Photo ein:

japanischer Spediteur

Der Aufkleber unten links im Schaufenster ziert in Saint-Émilion jede zweite Weinhandlung – es ist das Logo eines japanischen Spediteurs. Ich finde es zwar hübsch, aber nicht sehr glücklich gewählt: eine Babykatze ist doch keine Ware, die die Katzenmutter von A nach B transportiert, um sie dort auszuliefern!

Schweigen ist Gold

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Durchsage am 30. August, 16 Uhr in Basel, Badischer Bahnhof, Gleis 4: “Information zum ICE 274 nach Berlin, Abfahrt 16 Uhr 14, heute 20 bis 25 Minuten später. Grund ist eine verspätete Vorleistung.”

eine verspätete Vorleistung” – was ist das für eine verschwurbelte Mitteilung? Kann man nicht sagen, wer da getrödelt hat und warum?

20 Minuten später: “Am Gleis 4 fährt ein ICE 279 aus Berlin. Der Zug endet hier und fährt als ICE 274 zurück nach Berlin. Vorsicht bei der Einfahrt.” Es dämmert: nicht ein Dritter, nein, die Deutsche Bahn selbst ist für die Verspätung verantwortlich.

Im Zug dann, nach dem Willkommensgruß an die Fahrgäste, die Erwähnung der Verspätung. Dann wörtlich: “Grund war die Verspätung aus der vorherigen Leistung aus Berlin” – als ob die “vorherige Leistung” (die ja eigentlich keine zu belobigende Leistung, sondern mangelhaft war) irgendeinem Unbekannten aus Berlin oder der Stadt Berlin anzulasten sei und nicht etwa der Deutschen Bahn.

Schön noch die Antwort der Schaffnerin auf die Frage eines Reisenden, ob in Karlsruhe der Anschluß nach München erreicht werde: “Mit unserer Verspätung erreichen wir gar keine Anschlüsse.”

wem gehört die Bahncard?

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Wer über die Webseite der Deutschen Bahn eine Bahn-Fahrkarte für jemand anderen (z. B. ein minderjähriges Kind) kaufen möchte, muß zur Identifizierung der reisenden Person eine Identifizierungskarte angeben. Bei minderjährigen Kindern, die weder über eine EC-Karte noch über eine Kreditkarte verfügen, ist das i.d.R. die Bahncard. Wenn man das entsprechende Feld ausgewählt und die Bahncard-Nummer des Kindes eingegeben hat, muß man bestätigen: “Die hier angegebene Identifikationskarte gehört dem Reisenden persönlich”.

Das ist deshalb verwunderlich, weil auf der Bahncard selbst steht: “Diese Karte ist Eigentum der Deutschen Bahn AG”. Wenn die Karte nämlich Eigentum der Deutschen Bahn ist, gehört sie der Bahn und nicht dem Reisenden – dieser ist dann lediglich Besitzer der Karte.

Besitz und Eigentum sind zwei verschiedene Dinge (s. Bürgerliches Gesetzbuch § 854 ff. und § 903 ff.).

Uckermark

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Auch in der Uckermark steht es mit der deutschen Sprache nicht zum besten. Wobei es durchaus einen Unterschied macht, ob jemand auf eine Mülltonne von Hand “Steropur” schreibt …

Steropor

… oder ob eine Gedenktafel auf einem Grab die Fehler für ewig festhält:

Friedhof Parstein

Wenn Opa Bester (der eigentlich Karl-Heinz hieß) Deutschlehrer war, dreht er sich sicher im Grabe um.

Auch mit der Zeichensetzung hapert es:

Storchennest

Mit ungläubigem Staunen schließlich liest man die Aufschrift auf dieser “kleinen” Wanderkarte:

Kloster Chorin

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