Dichtkunst

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Und wieder eine Trouvaille aus dem Reichelt-Katalog:

Pasteten

Hat der Dichter des Werbespruchs das falsche Komma gesetzt, um vom Fehlen der Präposition abzulenken? Hat er auf die Präposition verzichtet, damit es wie ein vierhebiger Jambus klingt (wie Goethes “Wer nie sein Brot mit Tränen aß”)? Hat er sich gesagt, daß es sowieso niemanden interessiert, daß man, wenn man das Ganze als Gedicht weiterlesen möchte, das Wort stehen entgegen der Gewohnheit und Richtigkeit auf der zweiten Silbe betonen muß? Egal – die Dringlichkeit der Aussage steht jedenfalls außer Zweifel. Sonst hätte es ja keines Ausrufezeichens bedurft.

Wo laufen sie denn?

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Rösschen

Dabei hätte man nur abschreiben müssen:

Röschen

Bitte nicht mit dem Kohlröschen aus der Familie der Orchideen (Männertreu) verwechseln.

Und ja, Großbritannien schreibt sich mit zwei n. War auch falsch abgeschrieben.

authentisch

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authentisch bedeutet laut Duden “echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig”, als Synonyme werden genannt: “beglaubigt, belegt, dokumentiert, echt, gesichert, glaubwürdig, sicher, ungeschönt, unverfälscht, verbürgt, verlässlich, wahr, zuverlässig”. Im etymologischen Wörterbuch von Kluge steht “‘maßgeblich, echt’ … Entlehnt aus l. authenticus, dieses aus gr. authentikós “zuverlässig, richtig’, einer Ableitung von gr. authéntes ‘Urheber’.

Authentisch können Texte, Berichte, Darstellungen und Dinge sein. “Authentizität von verschiedenen aufgefundenen Artefakten (z. B. Kunstwerken, Bauteilen, Münzen, Schriftstücken) bedeutet, dass der zu untersuchende Gegenstand tatsächlich von den Personen, Autoren oder Quellen stammt, von denen er zu stammen vorgibt, also weder Fälschung noch Fehlzuschreibung ist”, heißt es bei Wikipedia. Und weiter unten: “Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt.”

Mit diesem Wissen im Hintergrund kann man sich jetzt fragen, was eine [gewöhnliche] Madeleine von einer authentischen Madeleine unterscheidet, wenn ein kleiner Kuchen gemeint ist und nicht eine weibliche Person dieses Namens.

Madeleine

nicht zugestellt

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Am Donnerstag bekam ich eine Mail von DHL:

“Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
Ihre Sendung 327315274790 von Oxid7 GmbH wurde an DHL übergeben und wird voraussichtlich am Freitag, den 14.11. zwischen 11:00 und 14:00 Uhr zugestellt.
Weitere Informationen zu Ihrer Sendung, wie z.B. den aktuellen Sendungsstatus, erhalten Sie unter DHL Sendungsverfolgung.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DHL Team”

Am Freitag um 12 klingelte es: DHL! Leider war es ein Paket für den Nachbarn. Wenig später war in der Statusbenachrichtigung zu lesen:

Status

Der Bezug auf Ferien oder Feiertage war definitiv falsch – der Nachbar hatte sein Paket ja bekommen, und wer, wenn nicht die Zustellbasis, sollte Betriebsferien haben? Das paßt aber wiederum nicht dazu, daß das Paket ausgerechnet dort deponiert wurde. Seltsam auch, daß eine Vereinbarung suggeriert wird, von der man nicht weiß, wer daran beteiligt war.

entspannt

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Wir hatten schon gesehen, daß 24 ° weder schwül noch sonnig noch heiß noch frisch sein können, weil Grad eine Maßeinheit für die Temperatur ist und als solche nicht Eigentümlichkeiten des Wetters annehmen kann.

Danach versteht sich eigentlich von selbst, daß eine Maßeinheit sich auch nicht lockern, von einer Anspannung befreien bzw. körperlich und psychisch von der Belastung durch anstrengende Tätigkeit freimachen und neue Kraft schöpfen kann.

Die Berliner Bäderbetriebe sehen das offenbar anders:

entspannt

Es gibt eine Lesart, die die Aussage retten würde. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, daß die Frau im Liegestuhl 30 °C heißt.

kulinarische Wüste

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desert

Das “Soup and more” in der Kronenstraße gab sich international und polyglott: englische Soup, italienische Pasta, russische Bliny, deutscher Salat … aber statt mit französischen Desserts warb man mit einer Wüste. Kein Wunder, daß der Laden schon nach kurzer Zeit dichtgemacht hat.

gemischt

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Kürzlich hatte ein Mitreisender in der Bahn eine Packung Fruchtgummi dabei, aus der er großzügig anbot. Meine Aufmerksamkeit richtete sich mehr auf die Verpackung:

assortie

“assorti(e)” ist ein französisches Adjektiv und bedeutet gemischt. Das würde passen, aber warum hat man dann nicht gleich das deutsche Wort genommen? Außerdem ist “Fruchtgummi” grammatisch ein Neutrum, “assortie” mit e dagegen weiblich. Die Großschreibung des Wortes weist auf ein Substantiv hin. Nun ist dieses Fruchtgummi ein holländisches Produkt, und im Holländischen gibt es zahlreiche Substantive, die auf “-tie” enden: democratie, demonstratie, natie, vakantie, etc. Eine “assortie” gibt es aber nicht; Mischung heißt auf holländisch “assortiment”. So stand und stehe ich wieder einmal vor einem Rätsel, während die anderen es sich schmecken lassen.

Auch ist mir nicht klar, warum das Zeug Fruchtgummi heißt. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt deutlich mehr Gemüse als Obst:

assortie Z

Komparativ

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Der Komparativ dient dazu, zwei oder mehr Personen oder Dinge oder Zustände oder was auch immer miteinander zu vergleichen: A ist größer als B, B ist dicker als C, C ist glaubwürdiger als D. A kann auch mit sich selbst verglichen werden, z. B. zu zwei verschiedenen Zeitpunkten: A ist heute größer als (A) letztes Jahr (war).

Worauf der Komparativ im aktuellen Aldi-Nord-Prospekt sich bezieht, bleibt allerdings unklar.

Aldi 2

“Wartet” eine “noch größere Auswahl” als bei Rewe? Oder eine “noch größere Auswahl”, als man vermutet hat? Oder wollte man andeuten, daß die Auswahl mit jedem Tag größer wird und daß Aldi plant, demnächst ausschließlich Obst und Gemüse zu verkaufen?

Redun-dann-z

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Die ubiquitäre, aber falsche Verwendung des Wörtchens dann ist nicht zu stoppen. Auch im folgenden Satz – publiziert beim offiziellen Hauptstadtportal Berlin.de im Zusammenhang mit der Licht-Installation anläßlich der Feierlichkeiten zum 25jährigen Jubiläum des Mauerfalls – kann (und sollte) man das Wort ersatzlos streichen:

“Start der Aktion ist am Freitag, den 7. November ab 17 Uhr. Ende ist dann am Sonntag, den 9. November um 19 Uhr.”

Auch hier ist dann ein reines Füllwort, dessen Fehlen nicht auffällt und ohne das der Sinn des Satzes sich nicht ändert. Reiner Sprachmüll, der schnellstens entsorgt werden sollte.

NB: Start (besser: Beginn) ist auch nicht ab 17 Uhr, sondern um 17 Uhr.

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