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In einem Kommentar zum Thema Hilfsverben hat Arie Kreyveldt mich kürzlich auf ein Beispiel deutscher Sprachredundanz aufmerksam gemacht: die Prinzessin. Warum ist das redundant, was ist daran doppelt gemoppelt? Hier die Erklärung:

Die Bildung einer weiblichen Entsprechung zu einem Substantiv männlichen Geschlechts (sprachwissenschaftlich: Movierung) erfolgt in den meisten Fällen durch das Anhängen des deutschen Movierungs-Suffixes -in. Die Movierung erfasst in der Regel Personenbezeichnungen: Arzt – Ärztin; Student – Studentin; Cellist – Cellistin; König – Königin.

Weitaus seltener erfolgt die Bildung der Feminina durch das Anhängen eines Fremdsuffixes; meist handelt es sich um Fremdwörter aus dem Französischen: Masseur – Masseuse, Cousin – Cousine, Directeur – Directrice, Comte – Comtesse, Maître – Maîtresse (aber auch aus dem Englischen: Steward – Stewardess).

Wenn alles mit rechten grammatischen Dingen zuginge, müsste die weibliche Entsprechung zu Prinz also Prinzin oder Prinzess heißen, wie im Französischen (princesse) und Englischen (princess). Bis ins 19. Jahrhundert war die Form Prinzeß im deutschen Sprachraum durchaus üblich. Jetzt trifft man sie nur noch in der Prinzessbohne und im Diminutiv Prinzesschen. Leider habe ich bisher nicht in Erfahrung bringen können, wann und vor allem warum sich die Form mit der doppelten weiblichen Endung durchgesetzt hat. Hat ausgerechnet die Prinzessin es nötig, so auf ihrer geschlechtlichen Identität zu beharren? Und mit ihr – als einzige Leidensgenossin – die Äbtissin?

NB: Es passt zwar nicht unmittelbar zum Thema, aber ich bin immer wieder irritiert, wenn ich von Johann Gottfried Schadows Doppelportrait der preußischen Kronprinzessin Luise und ihrer jüngeren Schwester Friederike lese, das schon anlässlich der ersten Ausstellung 1795 in der Kunstakademie als Prinzessinnengruppe bezeichnet wurde und immer noch wird. Zwei sind doch keine Gruppe – der Plural Prinzessinnen (oder nach Lektüre dieses Artikels besser: Prinzessen) hätte eigentlich gereicht …

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